�In modernen Bibelausgaben finden sich schwerwiegende Umdeutungen.� Theologen kritisieren �Gute Nachricht � und �Hoffnung
f�r alle �:
Article von ethos 8 | 2003 - S. 56-57 |
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Drei evangelische Theologen aus Deutschland und der Schweiz, der Neutestamentler Prof. Peter Wick (Bochum), der Pfarrer am Baseler M�nster, Dr. Bernhard Rothen, und der Alt-testamentler Dr. Stefan Felber (Theologisches Seminar St. Chrischona, Basel), haben im Rahmen einer Vortragsreihe in Basel Ende Mai und Anfang Juni heftige Kritik an den modernen Bibel�bersetzungen �Die Gute Nachricht� und �Hoffnung f�r alle� ge�bt. Diese haben sie in 15 Thesen zusammengefasst.
� Wenn ihr in meinem Worte bleibt, seid ihr wahrhaftig meine J�nger,
und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.�
Johannes 8,31+32
1 - Seit einer Generation verdr�ngen moderne Bibel�bersetzungen die alten aus dem Gebrauch. Dies geschieht zum Teil gegen den Willen der Herausgeber � aber es geschieht. (Sie sind nicht nur �Einsteigerbibeln�, sondern weithin auch �Verdr�ngerbibeln�.)
2 -Diese modernen �bersetzungen versprechen eine gr�ssere Verst�ndlichkeit bei gleichzeitiger inhaltlicher Treue. Der Anspruch, den sie erheben, ist gross: Sie
�vereint die selbstverst�ndliche Treue zum Original mit dem Bem�hen um
gr�sstm�gliche Verst�ndlichkeit. Sie kann genauer als eine �w�rtliche� �bersetzung angeben, was die Aussage des Textes
in einer bestimmten Stelle ist�
(Nachwort �Gute Nachricht� 1997).
�Sie soll auf ihre Leser m�glichst die gleiche Wirkung haben, wie sie das Original auf die damaligen Leser hatte!�
(Einleitung �Hoffnung f�r alle� 2002).
3 - In diesen modernen Bibelausgaben finden sich aber schwerwiegende Umdeutungen, in denen nat�rliche Gedanken das Bibelwort �berlagern. In ihnen wird anschaulich, dass �Wollen und Vollbringen� (R�mer 7,19) nicht dasselbe sind: Die modernen Theorien f�hren nicht zu einer treuen, geduldigen und kampfbereiten kirchlichen Praxis, sondern zu einem eigenwillig verengten Verst�ndnis dieser Praxis.
4 - Der Vergleich zwischen dem Bibeltext in den Ursprachen und den klassischen Bibel�bersetzungen auf der einen und den modernen Bibel�bersetzungen auf der anderen Seite zeigt unter anderem:
a) An vielen Stellen, wo Gott die handelnde Person ist, nimmt der Mensch diese Stellung ein.
b) Wichtige Dimensionen des Bibelwortes werden verdr�ngt, wie die Heiligkeit und die Herrschaft Gottes und die Knechtschaft seiner Erw�hlten.
c) Der Leib wird einseitig negativ bewertet. Dass Gott ins Fleisch gekommen ist und seine Gnade gerade den Leib umfangen und in Dienst nehmen will, wird im Text oft unterdr�ckt.
d) Das Wort als Wort wird ersetzt durch die direkte Begegnung.
Wo vom Geschenk des Wortes, von Satzungen, Geboten, Weisungen die Rede ist, wird dies ersetzt durch abstraktere Formeln, die eine unmittelbare Gottesbeziehung versprechen.
e) Wo der Glaube gefragt ist, wird dies mit einem Erkennen, Erfahren oder Erleben gedeutet.
6 - Darin spiegeln sich Vorstellungen und Erwartungen, die zu allen Zeiten die Gemeinde Christi als nahe liegende, aber irref�hrende Meinungen begleitet haben. Ungute Entwicklungen werden dadurch gef�rdert:
a) In den Gemeinden verbreitet sich ein Aktivismus. Die Glaubenden f�hlen sich zu mehr Leistung gedr�ngt. Der Erfolg wird zum Massstab.
b) Der Respekt vor dem Geheimnis schwindet.
c) Geistige Leistungen werden h�her bewertet als k�rperliche; Geschlechtlichkeit und Mutter- und Vaterschaft verlieren ihre W�rde; das Wasser der Taufe verliert seine Bedeutung, und Krankheit, Tod und Begr�bnis werden zu scheinbar bedeutungslosen Randerscheinungen.
d) Die Sorgfalt und Treue im Umgang mit dem Wort wird zersetzt. Die �usseren Rechtsordnungen wie die gegebenen Zusagen verlieren ihre bindende Kraft. Wichtig scheint nicht das Wort, sondern die Absicht, der Wille.
e) In die Fr�mmigkeit dr�ngt sich das Begehren nach Erlebnissen.
6 - Das gute Gef�hl wird zum Massstab, und man verlangt, dass m�glichst alles m�glichst unmittelbar verst�ndlich und anwendbar sein m�sse.
Grundlegend f�r die modernen �bersetzungen ist die Theorie Eugen A. Nidas (amerikanische und internationale Bibelgesellschaft).
Nach seiner Lehre von der so genannten dynamisch-funktionalen, dynamisch-�quivalenten oder auch kommunikativen Methode m�ssen die �bersetzer nicht Worte und S�tze, sondern das Verstehen und die Wirkung von einer Sprache in die andere �bertragen. Die kreative Leistung, die von den �bersetzern gefordert wird, ist unvergleichlich viel gr�sser als bei allen klassischen �bersetzungen. Die �bersetzer m�ssen den Leuten nicht �aufs Maul� schauen (Luther), sondern in das Verstehen. Diese Methode muss den �bersetzern in der Regel mit Macht aufgedr�ngt werden:
�Es braucht vier Wochen, um sie intellektuell ..., und weitere zwei Wochen, um sie emotional willig zu machen� dazu (Nida).
7 - Unsere Kritik an diesen modernen �bersetzungen richtet sich nicht nur gegen einzelne Fehler, sondern dagegen, dass eine neue, eigenwillige und �ber die Massen anspruchsvolle Methode die �bersetzungen in bestimmte Bahnen leitet. Dadurch wird der Bibeltext einer bestimmten Sprachphilosophie nachgeordnet, untergeordnet und ihr entsprechend ver�ndert. Nach dem Urteil eines �bersetzungswissenschaftlichen Standardwerkes eignet sich die von Nida vorgeschlagene Methode besonders f�r �naturwissenschaftliche und technische Texte�, etwa Bedienungsanleitungen, nicht aber f�r religi�se oder poetisch geformte Texte (W. Koller). Sie eignet sich also auf keinen Fall f�r die �bersetzung der Heiligen Schrift.
8 - Die Behauptung ist falsch und irref�hrend, mit dieser Methode k�nne genauer als in herk�mmlichen �bersetzungen angegeben werden, was der originale Sinn des urspr�nglichen Textes ist. Im esten Fall kann ein Sinnelement stark herausgearbeitet werden. Dies geht aber in der Regel auf Kosten vieler anderer Sinnelemente. Zu Wort kommt, was die �bersetzer verstanden haben.
9 - Es l�sst sich gut begr�ndet behaupten, dass die modernen Bibelausgaben die aufkl�rerische Kritik an Form und Autorit�t in den Bibeltext eintragen. Die Bibel wird s�kularisiert.
10 - Es ist deshalb n�tig, die modernen Bibelausgaben deutlich als freie �bertragungen zu kennzeichnen. Sowohl in ihrem Titel wie in Einf�hrung oder Nachwort und Werbung muss deutlich gesagt werden, dass es sich nicht um wortgetreue �bersetzungen handelt und dass sich diese Bibelausgaben deshalb nicht daf�r eignen, das Wort Gottes als die t�gliche geistliche Nahrung aufzunehmen und es mit der ganzen Liebe und dem Vertrauen der Gotteskindschaft ins Herz zu senken.
11 - Wer im Glauben wachsen und reifen will, muss sich einer klassischen Bibel�bersetzung anvertrauen und darf dies vertrauensvoll tun (z. B. Luther, Z�rcher, Schlachter, Elberfelder).
Dass uns solche zuverl�ssigen Bibel�bersetzungen gegeben sind, verdanken wir nicht einer bestimmten Methode, sondern dem Wirken des Geistes, das an Pfingsten offenbar geworden ist. Er bewirkt, dass dieses Wort in der Gemeinde vernommen und recht beurteilt werden kann (1. Korinther 2,13).
12 - Wer die Bibel in richtiger Weise lesen will, ist und bleibt angewiesen auf die Gemeinschaft der Gl�ubigen und die Erkenntnisse und Gaben, die Gott dieser Gemeinschaft gegeben hat und noch immer schenkt: die Rechtsordnungen und Einsichten, die uns in den Traditionen, Lehren und Liedern der Kirchen begegnen, und die Prediger, Lehrer, Leiter, die Gott zum Dienst beruft.
13 - Das soll nach dem Willen Gottes so sein: Der Glaube ist keine Privatsache.
14 - Als Bibelleser sollen die Glieder der Glaubensgemeinschaft aber m�ndig und urteilsf�hig werden. Das Mittel, durch das die evangelischen Christen eine Freiheit zum Protest auch gegen�ber den Pfarrern, Gemeindeleitern und den gesellschaftlichen Normen und Trends erhalten, ist die Heilige Schrift. Dazu m�ssen sie aber zuverl�ssig wissen k�nnen, was geschrieben steht.
15 - Eine einfacher lesbare, wort- und textgetreue �bersetzung in die deutsche Umgangssprache ohne literarischen Anspruch w�re denkbar. Sie h�tte aber in der Fr�mmigkeitskultur (und damit wirtschaftlich) erst eine Chance, wenn die modernen �bertragungen als solche gekennzeichnet sind. Ob eine solche neue �bersetzung eine richtige Antwort auf die Herausforderung unserer Zeit ist oder die Christenheit nur noch weiter zersplittert, ist eine offene Frage. Unzweifelhaft ist, dass es eine nie abgeschlossene Aufgabe ist, das Wort Gottes in den Gemeinden klar zu bewahren, und dass es viele heute vers�umte M�glichkeiten gibt, es unter die Menschen zu bringen. (idea)
Dr. Stefan Felber,
Dozent f�r Altes Testament am Theologischen
Seminar St. Chrischona;
Dr. Bernhard Rothen,
M�nsterpfarrer in Basel;
Prof. Dr. Peter Wick,
Ordinarius f�r neutestamentliche
Wissenschaft in Bochum
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