Hussiten

Klick auf den Kompass öffnet den IndexDas Englische und das in Prag ans�ssige Tschechische K�nigshaus waren verwandt. Daher gab es auch enge Beziehungen zwischen den englischen und tschechischen Universit�ten. So brachten tschechische Studenten die reformatorischen Gedanken John Wiclifs (Lollarden) aus Oxford mit nach Prag. Ihr F�hrer wurde der 1369 geborene Professor und Priester Johannes Hus. Als gewaltiger Prediger begeisterte er viele Menschen f�r Gottes Wort. Er predigte wie Wiclif nicht nach ka-tholischer Weise in lateinisch, sondern in der Landessprache.

Die geistlichen Grundgedanken, die Hus und seine Hussiten vertraten, waren nicht ganz so radikal wie die von Wiclif, aber durchaus bibeltreu: Die Autorit�t der Heiligen Schrift steht �ber der Autorit�t der Kirche. Die Laien d�rfen beim Abendmahl ebenso den Kelch empfangen wie die Priester. Die Bibel soll in der Landessprache gelesen werden. Heiligen-Lehre, Abla� und Ohrenbeichte werden abgelehnt.

1405 erhielt Jan Hus von Erzbischof Sbynko von Prag das wichtige Amt des Synodalpredigers. Hus �bernahm die meisten Gedanken Wiclifs, war aber nicht so radikal in der Ablehnung der katholischen Wandlungslehre im Abendmahl wie der Engl�nder. Die meist romtreuen deutschen Studenten in Prag und der sich von Hus angegriffen f�hlende Klerus verklagten Hus, was 1409 dazu f�hrte, da� er sein Amt als Synodalprediger wieder verlor.

Die Katholische Kirche war zu dieser Zeit auf einem absoluten geistigen und geistlichen Tiefststand. So amtierten zu dieser Zeit zwei rivalisierende P�pste. Um Ordnung in die Kirche zu bekommen, berief der deutsche Kaiser Sigismund ein Konzil nach Konstanz ein. Am Rande sollte auch �ber die Thesen von Hus diskutiert werden. Der Kaiser stellte ihm einen Schutzbrief aus, und im Vertrauen auf das zugesagte freie Geleit fuhr Hus nach Konstanz. Hier wurde er trotz des kaiserlichen Schutzbriefes kurz nach seinem Eintreffen im November 1414 verhaftet. Die Lehren von Wiclif wurden vom Konzil verurteilt. Jan Hus sollte durch Folter zum Widerruf gezwungen werden. Trotz qualvoller Torturen widerrief er nicht. Er wurde am 6. Juli 1415 verbrannt. Sein Mitstreiter Hieronymus von Prag erlitt am 30. Mai 1416 die gleiche Strafe.

Der M�rtyrertod von Hus setzte ganz B�hmen in Aufruhr. K�nig Wenzel versuchte vergeblich, die Bewegung niederzuhalten. Als Wenzel 1419 starb, �bernahm der f�r den Tod von Hus verantwortliche Kaiser Sigismund auch die tschechische Krone, was zum allgemeinen Aufstand und den Hussiten-Kriegen von 1419-1436 f�hrte. Bald spalteten sich die Hussiten in einen radikaleren und einen weniger radikalen Fl�gel, was sie schw�chte. Geistlich vertraten beide Gruppen die biblischen Gedanken Wiclifs und Hus�. 1420 formulierten die gem��igteren Hussiten von Prag ihre geistlichen Forderungen in "4 Artikeln" an die Kirche: 1. Freie Predigt des g�ttlichen Wortes. 2. Der Kelch im Abendmahl auch f�r die Laien. 3. S�kularisierung des Kirchengutes und R�ckkehr des Klerus zur biblischen Armut. 4. Strenge Kirchenzucht im Klerus.

In f�nf Kreuzz�gen versuchte man, die Hussiten niederzuschlagen, was aber nicht gelang. Letztlich konnten die Hussiten nur die Forderung nach dem Laienkelch durchsetzen. Aber durch die Hussiten-Kriege sahen sich der Kaiser und die R�mische Kirche gezwungen, den tschechischen Reformchristen einige Zugest�ndnisse zu machen. Das Konzil von Basel f�hrte 1433 einen Kompromi� mit der Katholischen Kirche herbei.

Durch die Verschmelzung der Hussiten mit den in B�hmen und M�hren schon l�nger vorhandenen Waldensergruppen in den Hussitischen Br�der-Kirchen wurden die Hussiten auch durch diese positiv beeinflu�t, was ihnen eine missionarische Tendenz gab.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts n�herten sich die Hussiten (Utraquisten) den Lutheranern an. Eine eigene Richtung verfolgten in dieser Zeit eher die B�hmischen Br�der. Nach der Niederlage der b�hmischen St�nde im Jahre 1620 in der Schlacht am Wei�en Berge wurden die b�hmischen L�nder mit Gewalt zum Katholizismus zur�ckgef�hrt, die gefl�chteten Utraquisten gingen in den lutherischen Kirchen auf. Ihr letzter Bischof war der gro�e P�dago-ge Johann Amos Comenius.

Nach der Gr�ndung der Tschechoslowakei 1918 kam es zu einer Neugr�ndung der Hussitischen Kirche. Bei der Generalversammlung der tschechischen Protestanten, die am 17./18. Dezember 1918 in Prag tagte, vereinigten sich die 126.000 Glieder der reformierten und die 34.000 Glieder der lutherischen Gemeinden in eine Kirche der Union unter dem Namen "Evangelische Kirche der B�hmischen Br�der", sp�ter kurz "Evangelische Kirche" genannt. Ihre R�ckkehr zur hussitischen und br�derischen Reformation wurde sp�ter (1920) durch die Neuannahme der alten hussitischen und br�derischen Konfessionen zum Ausdruck gebracht, die neben der Augsburgischen und Helvetischen Konfession als Bekenntnisb�cher angenommen wurden.

Die Herrnhuter Br�dergemeine hat ihre Wurzeln bei vertriebenen B�hmischen Br�dern, die Graf Zinzendorf im 18. Jahrhundert auf seine G�ter aufnahm.

Rainer Wagner


Index

Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):

1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch

Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de