Die NW hat eine Welt zum Ziel, in der alle Menschen in Frieden und Eintracht zusammenleben. Krieg soll nicht mehr sein. Die Menschheit soll zusammenwachsen zu einer gro�en Familie, in der es keine Konflikte wegen Rasse, Kaste, Geschlecht, Weltanschauung oder Religion mehr geben wird. Schl�sselbegriffe der NW sind Liebe, Friede, Einheit, Harmonie und Toleranz. Das Zerfallen des kommunistischen Staatenblocks war eine wichtige Stufe, die uns der NW n�her brachte. Denn in dieser darf es kein ideologisches System � wie etwa den Kommunismus � geben, das sich absolut setzt. Gorbatschows "Perestroika" kam � trotz seines Festhaltenwollens an einzelnen Leninschen Lehren � letztlich doch einer Aufl�sung des kommunistischen Dogmatismus und Totalitarismus gleich. Nach dem weitgehenden Zerfall des Kommunismus im Osten hat das "westliche" kapitalistische System die Oberhand gewonnen. Doch auch dieses steht vor weltumfassenden Krisen, und man darf gespannt sein, welches System sich im Rahmen dieser Krisen herausbildet und welches Ma� an integrierender Kraft es besitzt. Einen unberechenbaren Faktor f�r das Programm einer NW stellen die islamischen Staaten dar. Im religi�sen Bereich sperren sie sich mehrheitlich gegen die westliche Vereinnahmung. Wirtschaftlich allerdings sind sie wegen ihrer �lexporte schon l�ngst dem kapitalistischen Markt verbunden und besitzen hier sogar einen ma�geblichen Einfluss.
Die NW wird von zahlreichen Kr�ften, Gruppen und Pers�nlichkeiten auf politischem, wirtschaftlichem und religi�sem Gebiet angestrebt. Im folgenden kann ich nur einige Beispiele nennen.
Politiker in Ost und West f�hren seit Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts den Begriff "NW" immer h�ufiger im Munde. Stellvertretend F�r viele erw�hne ich hier nur George Bush und Michail Gorbatschow. Beispielsweise im Zusammenhang mit dem Golfkrieg 1991 hat US-Pr�sident Bush immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen, diese Welt einer neuen Ordnung zuzuf�hren, in der solche Kriege nicht mehr n�tig sind. Als wichtigstes Mittel hierzu dient die St�rkung internationaler Organisationen wie der UNO. Weltparlament, Weltgerichtshof und Weltpolizei sind in den Ans�tzen schon da und gewinnen st�ndig wachsenden Einfluss. Diese Pl�ne sind allerdings immer wieder ins Stocken geraten durch nationalistische Kriege und Zersplitterungen, etwa im ehemaligen Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion, die der NW entgegenzustehen scheinen. Freilich ist es auch m�glich, dass gerade dadurch die Neustrukturierung der Welt beschleunigt wird. Denn nur eine Menschheit, die von Kriegen und Krisen derma�en gesch�ttelt worden ist, dass sie am Rande der Verzweiflung steht, wird wohl ein Weltparlament als das kleinere �bel akzeptieren. Die dabei stets mitschwingende Gefahr einer Weltdiktatur erscheint erst dann nicht mehr so schlimm.
Vor allem in den USA besitzt der Gedanke einer NW eine lange Tradition. Das wird etwa daran deutlich, dass sich auf jeder Ein-Dollar-Note der Aufdruck "Novus ordo seclorum" ("NW") findet � in Verbindung mit einer Pyramide und einem seltsamen Auge, das auf der Spitze der Pyramide steht. Man wei�, dass es sich dabei um >Freimaurer-Symbole (die Freimaurer-Pyramide und das Auge Luzifers) handelt. Und hier � in der Freimaurerei (insbesondere bei den >Illuminaten) � liegt auch die Wurzel der Vorstellung von der NW begr�ndet. Das Ziel der Illuminaten beschrieb der Gr�nder dieses 1776 entstandenen Geheimordens, der Kirchenhistoriker Adam Weishaupt, folgenderma�en: F�rsten und Nationen werden ohne Gewalttat von der Erde verschwinden. Das Menschengeschlecht wird eine einzige Familie und die Welt die Wohnung von Menschen, die nur ihrer Vernunft folgen. Auf allen Gebieten soll absolute Toleranz herrschen. Ein absolute Wahrheit kann und darf es nicht geben, ebenso keine absolute Religion.
Damit die Menschheit eine einzige Familie werden kann, muss sie immer enger zusammenr�cken. Technisch wurde dies in den letzten Jahrzehnten in enormem Umfang erm�glicht. Ich erinnere nur an globale Kommunikationsmittel wie Satellitenfernsehen, Verkabelung, Vercomputerisierung. Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Jeder Mensch ist �berall erreichbar, insofern er an das weltweite Kommunikationsnetz angeschlossen ist. Nur das Sprachproblem ist noch nicht gel�st, doch gibt es auch hier Entw�rfe, z.B. die weltweite Verbreitung von Englisch oder die Kunstsprache Esperanto, die alle Menschen sprechen sollen. So versucht der Mensch, selber die babylonische Sprachverwirrung r�ckg�ngig zu machen.
Auf wirtschaftlichem Gebiet wird ebenfalls zunehmende Vereinheitlichung angestrebt. Die Barrieren des europ�ischen Marktes zum Beispiel sind St�ck f�r St�ck gefallen. Die Einheitsw�hrung Euro wurde europaweit eingef�hrt. Bargeldlose Zahlungsarten sind in Entwicklung, etwa ein Laser-T�towierungssystem, bei dem den Kunden Nummern in die Haut eingraviert werden k�nnen.
Auf weltanschaulich-religi�sem Gebiet fallt das Streben nach der NW zusammen mit dem Anspruch absoluter Toleranz und einer �kumene der Religionen. Der T�binger Theologe Hans K�ng (>Projekt Weltethos) hat es kurz auf folgende Formel gebracht: "Kein Friede unter den V�lkern dieser Welt ohne einen Frieden unter den Weltreligionen!" In �hnlicher Weise begr�ndete der Philosoph Carl Friedrich von Weizs�cker seine Forderung nach Einberufung eines Friedenskonzils aller Kirchen und Religionen: "In bezug auf die drei Bereiche (Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch�pfung) ist eine Einigung der Christen und eine �bereinstimmung der Weltreligionen m�glich und geboten. Eine weltweite politisch wirksame Rechtsordnung ist zu fordern" (Die Zeit dr�ngt, 1986, 114). In vielen Kirchen sind solche Forderungen auf ein offenes Ohr gesto�en. So wurde bereits Mitte der sechziger Jahre auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil der r�misch-katholischen Kirche eine st�rkere �ffnung zu den nichtchristlichen Religionen hin beschlossen, bei denen man "Wahrheitselemente" finden will ("aggiornamento"). Im Oktober 1986 lud Johannes Paul II. erstmals f�hrende Vertreter der christlichen Kirchen, aber auch der nichtchristlichen Religionen zu einem sogenannten Friedensgebetstreffen nach Assisi /Italien ein. Dieses wurde seither j�hrlich wiederholt, zum Beispiel 1987 auf dem "heiligen Berg" Hiei der Buddhisten bei Kyoto/Japan. Bei seinen Ansprachen redet Johannes Paul II. Angeh�rige heidnischer Religionen immer wieder als seine "Br�der und Schwestern" an. Auch in vielen evangelischen Kirchen kam es in den sechziger Jahren zum Ersatz des Missionsauftrags im biblischen Sinn (Bekehrung der Heiden) durch ein alles offen lassendes Dialogprogramm. Insbesondere der >�kumenische Rat der Kirchen ist hier Vorreiter. Auf Kirchentagen werden immer h�ufiger "Gebetstreffen" zwischen Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten und Angeh�rigen anderer Religionen angeboten. Da sich aber dem Dialog der Religionen doch noch mancherlei dogmatische H�rden entgegenstellen, versucht man verst�rkt, durch gemeinsame praktische und moralische Anliegen ein Bindeglied zur NW auf religi�sem Gebiet zu bauen (vgl. auch >Konziliarer Prozess und New Age).
Wie die NW, so spricht auch die Bibel spricht von einem zuk�nftigen Reich, in dem Friede und Gerechtigkeit herrschen werden und in dem keine Tr�ne mehr geweint wird. Sie spricht davon mit gro�artigen und eindringlichen Worten etwa am Ende der Johannesoffenbarung. Und doch wird deutlich, dass nicht der Mensch es ist, der dieses Reich herbeif�hrt, sondern allein Gott der Herr, der spricht: "Siehe, ich mache alles neu" (Offb 21,5). So wichtig und notwendig menschlich-politische Friedensbem�hungen sind, so unm�glich ist es, dadurch umfassenden und dauerhaften Frieden im Stil einer "NW" zu erreichen. Wer das behaupten wollte, m�sste die Macht der S�nde leugnen, welche die Herzen der Menschen erf�llt. Selbst ein Apostel Paulus musste bekennen: "Das Gute, das ich will, tue ich nicht, sondern das B�se, das ich nicht will, das tue ich" (R�mer 7,19). Und in 1. Joh 1,8 f. lesen wir: "Wenn wir sagen, wir haben keine S�nde, so verf�hren wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere S�nden bekennen, so ist er (Gott) treu und gerecht, dass er uns die S�nden vergibt und reinigt uns von aller Untugend." Die Zielvorstellung von einer NW geht � so sch�n und faszinierend sie zun�chst erscheint � von einem utopischen und unrealistischen Menschenbild aus, welches den biblischen Aussagen vom s�ndhaften Wesen des Menschen widerspricht.
Noch problematischer ist die Verw�sserung der Wahrheitsfrage , die mit dem Einheitsgedanken verbunden ist. Hier strebt man nach Einheit auf Kosten der Wahrheit. Hier wird nicht nur Toleranz gegen�ber der Person des anderen vorausgesetzt, was durchaus legitim w�re, sondern auch Toleranz in der Sache. Und das bedeutet, dass Wahrheit relativiert wird. Da geht das Heil verloren. Jesus Christus, wie er uns in der Bibel beschrieben wird, l�sst sich n�mlich nicht in den Einheitssog einer �kumene der Religionen einbeziehen. Er spricht: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater au�er durch mich" (Joh14,6). Und es gilt: "In keinem anderen ist das Heil" (Apg 4,12). Ebenso wenig l�sst sich der Heilige Geist mit den Geistern heidnischer Religionen gleichsetzen, bei denen es sich nach biblischer Aussage um gefallene Engel (D�monen) handelt (1. Kor 10,20 f.; 2. Kor 6,14 ff.). F�r das Verst�ndnis von Judentum und Christentum ist das erste Gebot konstitutiv: "Ich bin der Herr, dein Gott ... Du sollst keine anderen G�tter neben mir haben" (2. Mose 20,2 f.). Die Vertreter einer NW und einer �kumene der Religionen versuchen zwar mit allen Mitteln, solche Aussagen umzudeuten oder historisch-kritisch aufzul�sen, aber es gelingt ihnen nicht. Die ganze Bibel ist n�mlich durchdrungen davon. Das erste Gebot mit der Absolutheit des dreieinigen Gottes ist das Thema, das wie ein roter Faden die gesamte Heilige Schrift durchzieht. Wo das erste Gebot �bertreten wird, wird nicht Friede die Folge sein, sondern das Gericht Gottes. Das lehrt uns die gesamte Geschichte des Alten und des Neuen Bundes. Jede >Religionsvermischung oder auch schon Relativierung der >Absolutheit des dreieinigen Gottes fordert fr�her oder sp�ter seinen Zorn heraus. Den H�hepunkt wird Gottes Gericht erreichen, wenn er die Herrschaft des Antichristen, des endzeitlichen satanischen Weltdiktators, f�r eine bestimmte Zeit zul�sst. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu sehen, dass auch der Antichrist ein Friedensreich errichten wird. Es wird die diabolische Nach�ffung bzw. Vorwegnahme des messianischen Friedensreiches Jesu Christi sein, verbunden mit der letzten Steigerung menschlichen Gr��enwahns und Selbsterl�sungsstrebens. Die Bibel spricht davon, dass der Antichrist dieses Reich aufrichten wird, bevor Jesus f�r die Welt sichtbar wiederkommt: "Lasst euch von niemand verf�hren, in keinerlei Weise; denn er (Jesus) kommt nicht, bevor der Abfall kommt und der Mensch der Bosheit offenbart wird, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich �berhebt �ber alles, was Gott oder Gottesdienst hei�t, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott" (2. Thess 2,3 f.). Und f�r die Zeit des Antichristen unmittelbar vor Jesu Wiederkunft gilt: "Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell �berfallen gleichwie der Schmerz eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen" (1. Thess 5,3). Jede Friedensbestrebung und -bewegung, jede Bestrebung einer NW mu� sich an diesen Voraussagen messen lassen. Wie ist ihr Verh�ltnis zu Jesus Christus? Wird ein Friedensreich an Jesus Christus vorbei oder gegen Christus erstrebt? Will man Einheit auf Kosten der Wahrheit erreichen, die allein in Jesus Christus offenbart ist? Wenn ja, dann arbeitet man � gewollt oder ungewollt - dem Antichristen in die Arme.
Die NW erstrebt Frieden durch Welteinheit: a. politisch: durch das Zusammenr�cken der Machtbl�cke und Ideologien im "Europ�ischen Haus" und weltweit; durch internationale Ordnungen, Institutionen und Kontrollmechanismen; b. wirtschaftlich: durch ein neues Weltwirtschaftssystem und immer mehr vereinheitlichte Zahlungsarten; c. religi�s: durch Dialog und Zusammenarbeit mit Angeh�rigen aller Religionen. Dieses Erstreben der Welteinheit hat jedoch mehrere Verluste zur Folge: a. den Verlust der Freiheit der einzelnen V�lker, die ihre Souver�nit�t an immer h�here politische Komplexe abgeben m�ssen; b. den Verlust der Freiheit des einzelnen Menschen, der im Fall einer nicht-systemkonformen Einstellung bei einem Zusammenr�cken der Welt immer weniger Ausweich- und Fluchtm�glichkeiten (etwa in "neutrale Staaten") findet; c. den Verlust der Wahrheit des christlichen Glaubens, die � wie z.B. in Verlautbarungen zum ">Konziliaren Prozess" geplant � in einen "universalen ethischen Konsens" der Ideologien und Religionen integriert und damit letztlich beseitigt werden soll.
Dem Welteinheitssystem werden dieselben Wirkungen zugeschrieben, die in der Bibel f�r das messianische Friedensreich Jesu Christi verhei�en sind. Die NW soll denn auch evolution�r Schritt f�r Schritt dorthin f�hren. Dabei jedoch wird �bersehen, a. dass die Welt nicht evolution�r in den "neuen Himmel und die neue Erde" m�ndet, sondern dass sie wegen der wachsenden S�nde und Unbu�fertigkeit der Menschheit vergehen muss, bevor Gott - allein mit der Schar derer, die ihm die Treue gehalten haben � seine neue Welt schafft (vgl. Mt 24 parr.; 1. Kor 7,31; 2. Petr 3,10; Offb 6 ff. u.a.); b. dass dieses Gericht Gottes nicht aufgehalten, sondern im Gegenteil noch beschleunigt wird, wo die gr��te S�nde, der G�tzendienst in anderen Religionen und in menschenverherrlichenden, atheistischen Ideologien (etwa dem Marxismus), durch deren Anerkennung als gleichberechtigte Dialogpartner toleriert und forciert wird (vgl. 2. Mose 20,2 f.; 2. K�n 17,35 f.; Jes 44; Jer 16,19-22; 1. Kor 10,20 f.; 2. Kor 6,14-17 u.a.); c. dass Jesus nicht wiederkommt, bevor der Antichrist erschienen ist, der sein tr�gerisches und zeitlich eng begrenztes Weltfriedensreich aus den Kr�ften satanischer Inspiration und einer vereinigten Menschheit heraus errichten wird (vgl. 1. Thess 5,2 f.; 2. Thess 2,1-12; Offb 13 und 17 f.).
Lit.: L. Gassmann, Was ist die Neue Weltordnung?, 1998.
Lothar Gassmann
Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):
1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch
Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de