Erl�sungslehre
der R�misch-Katholischen Kirche

Klick auf den Kompass öffnet den IndexA. Grundlegendes

Die katholische Erl�sungslehre (Soteriologie) beruht auf dem Zusammenwirken von Natur und Gnade � gem�� dem scholastischen Axiom �Gratia non destruit, sed supponit et perficit naturam.� = �Die Gnade zerst�rt nicht die Natur, sondern erg�nzt und vollendet sie.� Dahinter steht die katholische Bindestrichtheologie ("sowohl � als auch", "und") sowie die �analogia entis�-Lehre, die Lehre von der Entsprechung des geschaffenen Seins zum Sch�pfer. Dies ist die Annahme, dass im Menschen in seiner Gottebenbildlichkeit etwas dem Sch�pfer Entsprechendes angelegt ist, ein unverlierbar gnadenhaftes, ja geradezu g�ttliches Element. Die Gnade zerst�rt also nicht die Natur, sondern setzt sie voraus und vollendet sie.

Wir kennen diese Diskussion auch im evangelischen Bereich, etwa zwischen Emil Brunner und Karl Barth. Brunner postulierte in seiner Schrift "Natur und Gnade" die Ankn�pfung des Gnadenwirkens Gottes an die geschaffene Natur, was Barth rigoros ablehnte (vgl. Barths Antwortschrift mit dem plakativen Titel "Nein"). Barth warf Brunner folgerichtig katholisierendes Denken vor. Brunner seinerseits kritisierte an Barth, dass dieser �ber dem Gesch�pflichen schwebe in einer christomonistischen Sph�re, die mit dem geschaffenen Sein so gut wie nichts mehr zu tun habe.

Im neuen Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) wird dementsprechend festgestellt, dass die menschliche Natur "nicht durch und durch verdorben, wohl aber in ihren nat�rlichen Kr�ften verletzt" sei. Sie sei "der Verstandesschw�che, dem Leiden und der Herrschaft des Todes unterworfen und zur S�nde geneigt". Diese Neigung zum B�sen hei�e "Konkupiszenz". Die Aufgabe der Taufe beruhe darin, das Gnadenleben Christi zu spenden, die Erbs�nde zu tilgen und den Menschen wieder auf Gott auszurichten (KKK Nr. 405).

Die Taufe besitzt nach katholischem Verst�ndnis also eine unterst�tzende Funktion, um dem Menschen die Wiedervers�hnung mit Gott zu erm�glichen. Mit ihrer Lehre bewegt sich die katholische Theologie zwischen Pelagius und Luther, worauf auch hingewiesen wird in Nummer 406 des Katechismus. Da hei�t es:

"Pelagius vertrat die Ansicht, der Mensch k�nne allein schon durch die nat�rliche Kraft seines freien Willens, ohne der Gnadenhilfe Gottes zu bed�rfen, ein sittlich gutes Leben f�hren, und beschr�nkte so den Einflu� der S�nde Adams auf den eines schlechten Beispiels. Die ersten Reformatoren dagegen lehrten, der Mensch sei durch die Erbs�nde von Grund auf verdorben und seine Freiheit sei zunichte gemacht worden. Sie identifizierten die von jedem Menschen ererbte S�nde mit der Neigung zum B�sen, der Konkupiszenz, die un�berwindbar sei" (KKK Nr. 406).

Die katholische Theologie spricht von der "gro�en Anstrengung", die der Mensch aufbringen m�sse, um diese Konkupiszenz, also die Neigung zum B�sen, zu �berwinden, die eben nicht als radikal, sondern nur als Schw�chung der menschlichen Natur gesehen wird. Und so hei�t es unter Nummer 409 des r�mischen Katechismus, der Mensch k�nne "nicht ohne gro�e Anstrengung in sich mit Gottes Gnadenhilfe die Einheit erlangen."

B. Unterscheidung zwischen Tods�nde und l�sslicher S�nde

Voll in �bereinstimmung mit diesem theologischen Ansatz ist die Lehre, dass es verschiedene Grade, verschiedene Arten von S�nde g�be. Insbesondere wird unterschieden zwischen Tods�nde und l�sslicher S�nde. Unter Nummer 1854 hei�t es im katholischen Katechismus:

"Die S�nden sind nach ihrer Schwere zu beurteilen. Die schon in der Schrift erkennbare Unterscheidung zwischen Tods�nde und l�sslicher S�nde wurde von der �berlieferung der Kirche �bernommen, die Erfahrung der Menschen best�tigt sie."

Es wird hingewiesen auf 1. Johannes 5, 16-17. Da hei�t es:

"Wenn jemand seinen Bruder s�ndigen sieht, eine S�nde nicht zum Tode, so mag er bitten; und Gott wird das Leben geben denen, die nicht s�ndigen zum Tode. Es gibt aber eine S�nde zum Tode, bei der sage ich nicht, da� jemand bitten soll. Jede Ungerechtigkeit ist S�nde, aber es gibt S�nde nicht zum Tode."

Die katholische Theologie deutet von dieser Stelle ausgehend die Unterscheidung folgenderma�en in KKK Nr. 1855:

"Die Tods�nde zerst�rt die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Versto� gegen das Gesetz Gottes. In ihr wendet sich der Mensch von Gott, seinem letzten Ziel und seiner Seligkeit, ab und zieht ihm ein minderes Gut vor. Die l��liche S�nde l��t die Liebe bestehen, verst��t aber gegen sie und verletzt sie."

Im R�mischen Katechismus wird in den Nummern 1856 f. noch weiter differenziert zwischen Tods�nde und l�sslicher S�nde. Zun�chst zur Tods�nde:

"Da die Tods�nde in uns das Lebensprinzip, die Liebe, angreift, erfordert sie einen neuen Einsatz der Barmherzigkeit Gottes und eine Bekehrung des Herzens, die normalerweise im Rahmen des Sakramentes der Vers�hnung erfolgt."

Welches >Sakrament ist das? Es ist die Beichte in Verbindung mit dem Abendmahl bzw. der Eucharistie. F�r eine Tods�nde m�ssen drei Bedingungen erf�llt sein:

"Eine Tods�nde ist jene S�nde, die eine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat und die dazu mit vollem Bewu�tsein und bedachter Zustimmung begangen wird" (KKK Nr. 1857).

Eine schwerwiegende Materie bezieht sich etwa auf den Bruch der Zehn Gebote, wobei gesagt wird, dass ein Mord schwerer wirkt als ein Diebstahl, eine Gewalttat gegen die Eltern wirkt schwerer als die gegen einen Fremden (KKK Nr. 1858). Solche Unterscheidungen werden getroffen. Sodann erfordert eine Tods�nde "volle Erkenntnis und volle Zustimmung" (KKK Nr. 1859). Sie setzt also einen bewussten Willensakt voraus. Und schlie�lich wird auch gesagt, da� unverschuldete Unkenntnis die Verantwortung f�r ein schweres Vergehen vermindern, wenn nicht sogar aufheben kann. "Die S�nde aus Bosheit, aus �berlegter Entscheidung f�r das B�se wirkt am schwersten" (KKK Nr. 1860). Wir kennen auch in der Rechtsprechung z.B. die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag. Das ist sicherlich begreiflich, worin liegt nun aber der Unterschied zur l�sslichen S�nde?

"Eine l��liche S�nde begeht, wer in einer nicht schwerwiegenden Materie eine Vorschrift des Sittengesetzes verletzt oder das Sittengesetz zwar in einer schwerwiegenden Materie, aber ohne volle Kenntnis oder volle Zustimmung �bertritt" (KKK Nr. 1862).

W�hrend die Tods�nde den Verlust der g�ttlichen Tugend, der Liebe und der heiligmachenden Gnade, d. h. des Standes der Gnade, nach sich zieht, zieht eine l�ssliche S�nde lediglich "zeitliche Strafen" nach sich, die dann durch Ablass oder Bu�leistungen ausgeglichen werden k�nnen (KKK Nr. 1863). Sie muss allerdings bereut werden und Umkehr muss erfolgen. Es wird dann im Katechismus unter Nummer 1864 auch auf die L�sterung des Heiligen Geistes hingewiesen:

"Wer aber den Heiligen Geist l�stert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine S�nde wird ewig an ihm haften (Mk 3,29)."

Die l�ssliche S�nde wiegt zwar geringer als die Tods�nde, aber sie ist trotzdem gef�hrlich, weil sie � so der Katechismus Nummer 1865 f. � "einen Hang zur S�nde" schafft. "Wiederholung der gleichen b�sen Taten erzeugt das Laster. Es kommt zu verkehrten Neigungen, die das Gewissen verdunkeln und das konkrete Urteil �ber Gut und B�se beeintr�chtigen."

Das ist sicherlich nicht falsch, aber man bemerkt hier den aristotelischen Einflu� in der katholischen Theologie, wo doch die "Metaphysik der Sitten" des Aristoteles das Gleiche schon vor zweieinhalbtausend Jahren deutlich gemacht hat.

Welches sind die Haupts�nden nach katholischer Lehre? Es sind Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unm��igkeit und Tr�gheit (KKK Nr. 1866).

Beurteilung: In der Parallelstelle zu 1. Johannes 5, 16-17 � und zwar in Matth�us 12, 31 � ist auch von der S�nde die Rede ist, die nicht vergeben wird, aber sie wird hier ausdr�cklich gekennzeichnet als die L�sterung gegen den Geist Gottes:

"Darum sage ich euch: Alle S�nde und L�sterung wird den Menschen vergeben; aber die L�sterung gegen den Geist wird nicht vergeben. Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird�s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt."

Und ganz �hnlich eben in 1. Johannes 5, 16-17, wo unterschieden wird zwischen einer S�nde, die zum Tode f�hrt, und anderer S�nde. Aber es steht hier nichts in dieser distinguierten Beschreibung, wie es die Katholische Kirche betont, dass es innerhalb des Bereichs, der nicht unmittelbar mit dem Heiligen Geist und dessen L�sterung zu tun hat, graduelle Abstufungen der S�nde g�be. Im Gegenteil, mehrfach findet sich in der Bibel der Hinweis, dass derjenige, welcher die geringste S�nde begeht, dem ganzen Fluch des Gesetzes verfallen ist. Ich zitiere z.B. Jak 2,10:

"Wenn jemand das ganze Gesetz h�lt und s�ndigt an einem, der ist`s ganz schuldig."

Und in Gal 3,10 lesen wir:

"Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er`s tue!"

�hnliches sagt Jesus Christus in der Bergpredigt (Mt 5,21 ff. 27 ff.). Von diesen klaren Aussagen her ist die Theorie abzulehnen, dass es vor Gott einen Unterschied zwischen schweren und weniger schweren S�nden g�be, denn in Gottes Augen f�hrt jede S�nde zum Tode, solange sie nicht bereut und vergeben ist.

Die Begriffe werden verwirrt: In 1. Johannes 5, 16f. hei�t es, dass man bitten soll bei S�nde, die nicht zum Tod f�hrt. Aber �ber S�nde, die zum Tod f�hrt, ist nicht gesagt, dass man daf�r bitten soll; diese kann auch nicht vergeben werden, insbesondere wenn sie gem�� Matth�us 12 mit der L�sterung gegen den Heiligen Geist zusammenh�ngt. Hingegen in der Katholischen Kirche kann bei den Tods�nden Endrechtfertigung als eine Art Genugtuung durch sakramentale Handlungen und Bu�werke und eben Umkehr erfolgen. Dies zeigt das v�llig andere und unbiblische S�ndenverst�ndnis in der Katholischen Kirche auf. In der katholischen Theologie wird der Begriff Tods�nde sehr stark ethisch gefasst, w�hrend im Gesamtkontext des Neuen Testaments er sich auf die L�sterung des Heiligen Geistes bezieht. Es ist die einzige S�nde, die nicht vergeben wird und f�r die man auch nicht bitten kann.

Die Stelle, an welcher es um die L�sterung des Heiligen Geistes geht, ist vom Kontext her zu sehen bez�glich dessen, dass die Pharis�er Jesus unterstellt hatten, er habe den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Sie haben dadurch praktisch das Wirken des Heiligen Geistes durch Jesus Christus mit satanischem Wirken gleichgesetzt � und diese S�nde kann nicht vergeben werden. Dies ist eine eindeutige Situation, von der wir auf jeden Fall sagen k�nnen, das ist L�sterung des Heiligen Geistes. Ob es eine dar�ber hinausgehende L�sterung gibt, mag dahingestellt sein. Aber seelsorgerlich betrachtet, sollten wir sehr behutsam damit umgehen und jemanden nicht in existenzielle N�te bringen und sagen: "Du hast jetzt so ges�ndigt, das kann �berhaupt nicht vergeben werden!" Wenn n�mlich jemand bu�fertig bzw. bu�willig ist, ist es schon ein Zeichen, dass der Geist Gottes an seinem Herzen wieder wirkt und er kann sich dessen gewiss sein, dass der Herr ihn auch wieder annimmt, wenn er wirklich umkehrt � und dass er diese unvergebbare S�nde dann auch nicht begangen hat.

Im "Evangelisch-Katholischen Kommentar zum Neuen Testament" (EKK) schreibt der Ausleger Hans-Josef Klauck zu dieser Frage:

"... Damit ist die Bahn frei f�r die vorherrschende Interpretation der S�nde zum Tode im Verein mit der unvergebbaren S�nde wider den heiligen Geist ... Gerade von den Tods�nden nach klassischer (katholischer; L. G.) wird ja nicht etwa gesagt, da� sie unvergebbar seien und da� man nicht f�r die, die sie begehen, beten d�rfe. Ganz im Gegenteil, gerade an ihnen m�ssen sich die kirchlichen Bu�formen bew�hren. Angesichts dieses Sachverhalts erscheint es sinnvoll, auf die Bezeichnung �Tods�nde` im herk�mmlichen Sinn zu verzichten und sie, wenn man an der Notwendigkeit einer Wertung festhalten will, durch �schwere S�nde` zu ersetzen" (H.-J. Klauck, Der erste Johannesbrief, EKK Bd. XXIII,1, Z�rich / Braunschweig 1991, S. 332).

C. Rechtfertigung und Erl�sung aus katholischer Sicht

Wie sieht nun die Rechtfertigung in der r�misch-katholischen Theologie aus? Im Unterschied zu den Reformatoren wurde bei dem Konzil von Trient im Jahre 1548 der komplizierte Weg der Rechtfertigung, der Wiedergeburt, der Bekehrung � alle diese Begriffe tauchen auf � folgenderma�en dargelegt: Der Weg besitzt verschiedene Stufen. Er l�uft hinaus auf ein Zusammenwirken von Gott und Mensch, wobei Gott die erste Initiative hat. Aber diese Initiative Gottes ist abh�ngig von der Zustimmung, ja von der Mitwirkung des Menschen, selbst falls diese Mitwirkung in der Zustimmung, im Jasagen, im Empfangen der Gnade besteht Dies ist ein Akt, der den Menschen zuteil wird. Ich zitiere aus dem Katechismus aus den Artikeln Nr. 1987 ff. In Nr. 1989 hei�t es:

"Das erste Werk der Gnade des Heiligen Geistes ist die Bekehrung, die die Rechtfertigung bewirkt."

Und weiter in Nr. 1990 f.:

"Die Rechtfertigung l�st den Menschen von der S�nde, die der Liebe zu Gott widerspricht und reinigt sein Herz ... Die Rechtfertigung besteht ... darin, da� man durch den Glauben an Jesus Christus die Gerechtigkeit Gottes aufnimmt."

Dahinter steht der Gedanke einer effektiven Rechtfertigung in Gestalt eines Habitus, das hei�t: einer dem Christen zuteil werdenden oder sogar von Natur aus im Christen angelegten Eigenschaft, die dem Menschen innewohnt, also eine habituelle Gerechtigkeit, die als effektive Rechtfertigung aufgenommen wird.

Der Gegensatz zur effektiven Rechtfertigung mit der als Wesensbestandteil des Menschen aufgenommen Gnade ist die forensische Rechtfertigung, das hei�t: die Rechtsprechung des Menschen ganz von au�en, allein durch Gottes Gnadenakt wie bei einem Gerichtsprozess (so die reformatorische Sicht). Beim katholischen Verst�ndnis steht die aristotelische Lehre von Substanz und Akzidenz dahinter. Ausdr�cklich wird im Katechismus folgendes ausgef�hrt:

"Die Rechtfertigung begr�ndet ein Zusammenwirken zwischen der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen. Sie �u�ert sich dadurch, da� der Mensch dem Wort Gottes, das ihn zur Umkehr auffordert, gl�ubig zustimmt und in der Liebe mit der Anregung des Heiligen Geistes zusammenwirkt, der unserer Zustimmung zuvorkommt und sie tr�gt" (KKK Nr. 1993).

Es wird zitiert aus dem Konzil von Trient:

"Wenn Gott durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes das Herz des Menschen ber�hrt, bleibt einerseits der Mensch nicht ganz unt�tig, denn er nimmt ja jene Eingebung auf, die er auch ablehnen k�nnte; anderseits kann er sich doch nicht aus freiem Willen heraus ohne die Gnade Gottes zur Gerechtigkeit vor ihm erheben" (KKK Nr. 1993).

Es wird also ein Synergismus (Zusammenwirken) behauptet, wobei dieser so aussieht, dass Gott seine Gnade den Menschen zuvorkommend anbietet und der Mensch in einem freien Entscheidungsakt diese Gnade annimmt. Martin Luther w�rde demgegen�ber sagen, dass Gott alles in uns wirkt, das Wollen und das Vollbringen, im Anschluss an Paulus (Phil 2,13), und dass auch der Entscheidungsakt unter Wirkung des Heiligen Geistes zustande kommt. Das effektive Verst�ndnis der Rechtfertigung wird in Artikel Nr. 1995 des r�mischen Katechismus so formuliert:

"Der Heilige Geist ist der innere Meister. Die Rechtfertigung l��t den �inneren Menschen` (R�m 7,22: Eph 3,16) erstehen und bringt die Heiligung des ganzen menschlichen Wesens mit sich."

Nachfolgend wird geredet von der heiligmachenden oder verg�ttlichenden Gnade, die in der Taufe dem Menschen zuteil wurde. Diese Gnade sei der Ursprung des Heiligungswerkes. Die katholische Theologie unterscheidet zwischen habitueller Gnade und helfenden Gnaden. Die habituelle Gnade ist eine dem Menschen von Gott eingegossene "bleibende Neigung (zum Guten), entsprechend dem g�ttlichen Ruf zu leben und zu handeln". Die helfenden Gnaden sind das g�ttliche Eingreifen...

... "zu Beginn der Bekehrung oder im Verlauf des Heiligungswerkes" (KKK Nr. 2000).

Die habituelle Gnade ist also ein Habitus, eine zum Wesen zugeh�rige Wirkung, die dem Menschen fest vermittelt wird als Wesensbestandteil gewisserma�en, w�hrend die helfenden Gnaden Akte Gottes sind, Eingreifakte, durch die er nun das Leben des Menschen reinigend und heiligend ver�ndern kann. Aber bereits diese Unterscheidung ist problematisch. Sie stammt aus der aristotelischen Philosophie und nicht aus der Heiligen Schrift.

Die katholische Theologie spricht von einer Vorbereitung (lat. praeparatio), des Menschen auf den Empfang der Gnade, die aber selber "ein Werk der Gnade" sei. Diese von der Gnade gewirkte Vorbereitung ...

... "ist notwendig, um unser Mitwirken an der Rechtfertigung durch den Glauben und an der Heiligung durch die Liebe hervorzurufen und zu unterst�tzen" (KKK Nr. 2001).

So sagt Rom im Katechismus, dass Gott auch die Vorbereitung wirkt, aber dass trotzdem der Mensch dann mit Gott zusammenwirkt. Es ist also sehr schillernd. Man kann es eben gar nicht trennen. Es wirkt zwar Gott, aber durch den Menschen. Es wirkt der Mensch, aber in der Kraft Gottes � und so geht das zusammen; ein Synergismus, aber in einer Verschmelzung der Wirkung. So wird ausdr�cklich Augustin zitiert in KKK Nr. 2001:

"Zwar arbeiten auch wir, aber wir arbeiten nur zusammen mit Gott, der arbeitet. Sein Erbarmen ist uns n�mlich zuvorgekommen, damit wir geheilt wurden, und es folgt uns, damit wir, einmal geheilt, belebt werden; es kommt uns zuvor, damit wir gerufen werden, und es folgt uns, damit wir verherrlicht werden; es kommt uns zuvor, damit wir fromm leben, und folgt uns, damit wir f�r immer mit Gott leben, denn ohne ihn k�nnen wir nichts tun."

Und dieses "freie Handeln Gottes erfordert die freie Antwort des Menschen" (KKK Nr. 2002), die Entscheidung, wie wir sie �hnlich auch im Pietismus finden. Es gibt mancherlei �hnlichkeiten zwischen katholischem und pietistischem Denken in dieser Hinsicht. Jedes Mal wird der freien Entscheidung des Menschen manches zugestanden. Die Reformatoren wie Luther und Calvin w�rden demgegen�ber festhalten, dass diese Entscheidung ein Gnadenwirken Gottes ist und nichts aus eigener Kraft zustande kommt. Zu denjenigen Pietisten, die Luther und die Reformation diesbez�glich noch ernstnahmen, geh�rte zum Beispiel Philipp Jakob >Spener. Spener, der Vater des Pietismus, hatte das nie anders gesehen als Luther � im Unterschied zu den meisten sp�teren Pietisten.

Im katholischen Catechismus Romanus wird bez�glich der habituellen, heiligmachenden Gnade im Sinne der effektiven Rechtfertigung Folgendes ausgef�hrt:

Die habituelle Gnade ist "eine g�ttliche Qualit�t, die der Seele innewohnt, gleichsam ein gl�nzendes Licht, das alle Makel �berstrahlt, welche den Glanz der Seele verdunkeln, und sie versieht die Seele mit immer mehr Glanz und Sch�nheit" (zit. nach Mc Carthy, S. 70). Hier liegt die Unterscheidung nach Aristoteles zwischen Forma und Materia, zwischen Akzidenz und Substanz zugrunde. Es ist also kein Rechtfertigungsspruch (wie es die Reformatoren betonten), sondern eine Qualit�t der Seele, die dem Menschen nach katholischem Verst�ndnis anhaftet. Die biblisch-reformatorische Rechtfertigungslehre wurde beim Konzil von Trient ausdr�cklich bek�mpft und abgewiesen. In den Konzilsdokumenten wird die abgewiesene Lehre Martin Luthers so zusammengefasst:

"Zu seiner Rechtfertigung kann der gl�ubige Mensch in keiner Weise mitwirken. Das gl�ubige Vertrauen ist der einzige Weg zu ihr und zugleich schon ihr Anzeichen. Diese Rechtfertigung besteht aber nicht in einer inneren Erneuerung des Menschen, sondern in seiner Gerecht-Erkl�rung (also forensisch; L. G.), kraft welcher ihm die Verdienste Christi angerechnet werden. � Die Werke des Menschen k�nnen f�r den Himmel nicht verdienstlich werden, weil die menschliche Natur, der Quellgrund des menschlichen Handelns, durch die Rechtfertigung nicht innerlich gut geworden ist" (Neuner-Roos, S. 497).

So lautet die Einleitung. Und nun kommen die einzelnen Verwerfungen gegen Luther (Neuner-Roos, S. 513 f.). Da hei�t es unter Abschnitt 9:

"Wer behauptet, da� der s�ndige Mensch durch den Glauben allein gerechtfertigt werde, und darunter versteht, da� nichts anderes als Mitwirkung zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade erfordert werde und da� es in keiner Weise notwendig sei, sich durch die eigene Willenst�tigkeit zuzur�sten und zu bereiten, der sei ausgeschlossen."

Ebenso wird in den weiteren Artikeln die Ansicht abgelehnt, dass Menschen

"durch die blo�e Anrechnung der Gerechtigkeit Christi" also forensisch und imputativ) gerechtfertigt w�rden oder dass das blo�e Vertrauen ausreichen w�rde. Nein, die Werke geh�ren f�r den Katholiken als Voraussetzung der Rechtfertigung hinzu, auch das Werk der Annahme und der Liebesleistungen, die dann gefordert werden. Man hat also nichts verstanden oder verstehen wollen vom �sola gratia� � �Allein durch die Gnade� und hat festgehalten an dem synergistischen Ansatz und der Gerechtigkeit aus Glauben und Werken. Gegen die biblisch-reformatorische Lehre, dass die guten Werke als Frucht des Glaubens bzw. des Heiligen Geistes im Christen (Gal 5,22) getan werden, wendet sich der Artikel 24 (zitiert bei Neuner-Roos, S. 517):

"Wer behauptet, die empfangene Gerechtigkeit werde nicht bewahrt und auch nicht vor Gott vermehrt durch gute Werke, sondern die Werke selbst seien nur Frucht und Anzeichen der erlangten Rechtfertigung, nicht aber auch Ursache ihres Wachstums, der sei ausgeschlossen."

Die Werke werden hier nicht als Folge des Glaubens stehen gelassen, sondern als Mitverdienst, als meritum, das zum Glauben hinzukommt. Und damit ist die Katholische Kirche dem unbiblischen Grundsatz "Glaube und Werke als Voraussetzung des Heils" treu geblieben.

Die Reformatoren sprechen gegen�ber dem katholischen Denken davon, dass die Natur des Menschen v�llig verderbt, ja zerst�rt sei und da� sie v�llig erneuert werden m�sse, und das kann allein geschehen durch das Opfer Jesu Christi. Die Konkupiszenz ist nicht nur eine Neigung zum B�sen, wie Rom lehrt, sondern die S�nde des Hochmuts, des "Selber-wie-Gott-Sein-Wollens" � und damit der Trennung von Gott, die die v�llige Verderbtheit des Menschen bewirkt. Die Einzels�nden sind nur Ausw�chse aus dieser Urs�nde des Hochmuts (lat. superbia), so dass dies ein untrennbarer Zusammenhang ist � der Entzug der urspr�nglichen Gerechtigkeit und dann die Neigung zum B�sen als Folge davon. Die biblisch-reformatorische S�ndenlehre l�sst sich folgenderma�en zusammenfassen:

"An die Stelle der urspr�nglichen Heiligkeit und Reinheit trat ... das gerade Gegenteil, ein durchaus s�ndhafter und das B�se wollender Zustand, der an sich schon S�nde ist, so da� der Mensch schon wegen dieser stetigen Geneigtheit zum B�sen und nicht erst wegen der aus ihr hervorgehenden Tats�nden ein Gegenstand des g�ttlichen Mi�fallens ist. Dieser verderbte Zustand ist dann der Grund und Quell aller Tats�nden und hat Gottes Zorn, sowie zeitliche und ewige Strafen zur Folge" (H. Schmid, Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche. Dargestellt und aus den Quellen belegt, G�tersloh, 10. Aufl. 1983, S. 161).

Da der Zustand der S�nde und des aus ihr folgenden Verlorenseins des Menschen ein derart grundlegender und radikaler ist, ist auch die Erl�sung eine radikale: Sie wird nur und ausschlie�lich dem Menschen von au�en zugerechnet und geschenkt, und zwar durch das einzigartige und vollg�ltige Opfer Jesu Christi am Kreuz auf Golgatha:

"Denn es hier kein Unterschied: sie sind allzumal S�nder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl�sung, die durch Christus Jesus geschehen ist" (R�m 3,23 f.).

D. Heil auch in anderen Religionen?

Zur Heilsfrage abschlie�end noch ein anderer Aspekt in der katholischen Lehre, und zwar der Zusammenhang zwischen Soteriologie und Ekklesiologie im Katholizismus. Und hier ist seit dem 20. Jahrhundert eine auffallende �nderung in der katholischen Lehre eingetreten. Die fr�here katholische Lehre besagte, dass niemand au�erhalb der Kirche � und zwar der R�misch-Katholischen Kirche � gerettet werden k�nne. �Extra ecclesiam nulla salus.� So wird gem�� Neuner-Roos Nummer 369 in einem �lteren Dokument ausgef�hrt:

"Au�erhalb der Kirche kann niemand gerettet werden. Freilich sind nicht alle, die in un�berwindlicher Unwissenheit �ber Christus und seiner Kirche leben, schon aufgrund dieser Unwissenheit ewig zu verdammen ... Diese Gnade erh�lt aber keiner, der von der Einheit des Glaubens oder von der Gemeinschaft der Kirche aus eigener Schuld getrennt ist und so aus diesem Leben scheidet ... So verwerfen und verabscheuen Wir die gottlose Lehre von der Gleichwertigkeit aller Religionen, die auch der menschlichen Vernunft widerstreitet. So wollen die Kinder dieser Welt den Unterschied zwischen wahr und falsch aufheben und sagen: Das Tor zum ewigen Leben steht allen offen, gleichg�ltig, aus welcher Religion sie herkommen."

So also hie� es noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) jedoch wird anders gelehrt! Und zwar wird behauptet, dass auch die nichtchristlichen Religionen Zugangswege zum Heil sein k�nnen, wenn auch �ber Umwege und Verfinsterungen. Und zwar hei�t es in der "Dogmatischen Konstitution �ber die Kirche" von 1964 des Zweiten Vatikanischen Konzils:

"Der Heilswille umfa�t aber auch die, welche den Sch�pfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am J�ngsten Tag richten wird. Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne, da er allen Leben und Atem und alles gibt ( vgl. Apg 17,25-28) und als Erl�ser will, da� alle Menschen gerettet werden" (Neuner-Roos Nr. 372).

Man hat sich hier den heidnischen Religionen ge�ffnet, beeinflusst vor allem durch die Theologie Karl Rahners, der zwischen manifestem (offenbarem) und latentem (verborgenem) Christsein unterschieden hat. Das latente, verborgene Christsein findet sich seiner Ansicht nach bei den anderen Religionen. Dies ist eine verh�ngnisvolle Lehre, die sehr stark den >Synkretismus und >Universalismus in die katholische Theologie und Kirche hat eindringen lassen (zur Beurteilung siehe dort) und mit der keineswegs alle Katholiken �bereinstimmen (Traditionalisten).

Lothar Gassmann


Index

Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):

1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch

Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de