Umweltschutz

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Umweltschutz bezeichnet den Schutz der "Umwelt" (die den Menschen umgebende Welt) vor ihrer Sch�digung und Zerst�rung. Besser als diese anthropozentrische Bezeichnung w�re der Begriff "Sch�pfungsverantwortung" (Verantwortung f�r die von Gott geschaffene Welt). Der Gebr�uchlichkeit wegen behalten wir aber hier den Begriff Umweltschutz bei. Dass Umweltschutz notwendig ist, wird heute niemand mehr ernsthaft bestreiten. In welche Richtung soll aber der Umweltschutz gehen? In welchem Ausma� kann und soll Umweltschutz praktiziert wer den? Noch deutlicher: Wie radikal k�nnen und sollen Ma�nahmen zur Behebung der Umweltkrise sein? Vor allem dar�ber wird heute diskutiert.

In dieser Diskussion kann man vier Hauptpositionen, vier "Antworten" aus weltlicher Sicht unterscheiden:

a) Die "Fortschritts-Antwort" sagt:

Die Umweltverschmutzung ist der Preis f�r den Fortschritt. Sie ist unvermeidbar, weil der Fortschritt unvermeidbar und notwendig ist. Der Fortschritt fordert Opfer. Solange aber der Nutzen durch den Fortschritt gr��er ist als der Schaden, k�nnen und wollen wir auf den Fortschritt nicht verzichten und nehmen die Umweltverschmutzung in Kauf.

b) Die "Reparatur-Antwort" sagt:

Die kaputte Umwelt kann repariert werden. Umweltverschmutzung ist durch Umwelttechnologie zu bek�mpfen. Mit anderen Worten: Die Industrie, die uns die Suppe der Umweltverschmutzung eingebrockt hat, l�ffelt sie auch wieder aus, indem sie Kl�ranlagen, Filteranlagen usw. baut und sich dadurch sogar neue, gewinnbringende Wirtschaftsbereiche erschlie�t. Im wesentlichen aber kann die Industrie und kann der einzelne weitermachen wie bisher.

c) Die "alternative Antwort" sagt:

Alles muss anders werden. Wir m�ssen neue, nicht verschmutzende Techniken erfinden und �berhaupt weniger Technik gebrauchen. Wir m�ssen den Rohstoffverbrauch eind�mmen und umsteigen auf unersch�pfliche, erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wasser und Wind. Wir m�ssen ein neues, positives Verh�ltnis zur Natur gewinnen und ihre �kologischen Kreisl�ufe beachten. Im Konfliktfall kommt �kologie vor �konomie.

d) Die "marxistische Antwort" sagt:

Umweltverschmutzung ist eine Krankheitserscheinung des Kapitalismus und nicht der Technik. Dass Menschen Menschen ausbeuten, ist das wahre Problem. Wird der Kapitalismus abgeschafft, dann wird die Ausbeutung � auch die Ausbeutung der Umwelt � aufgehoben. (Die Realit�t in sozialistischen Staaten sah und sieht jedoch ganz anders aus; Kommunismus).

Beurteilung: Was sagt die Bibel �ber den Umweltschutz? Sehr wenig und sehr viel. Sehr wenig, insofern sie keine konkreten Aussagen zu etlichen Problemen macht, die uns heute auf den N�geln brennen, z. B. zu den Fragen "Atomkraftwerke � ja oder nein?", "Chemische Sch�dlingsbek�mpfung � ja oder nein?" usw. Sehr viel, indem sie in grunds�tzlicher Weise Aussagen nicht nur �ber das Verh�ltnis zwischen Gott und Mensch, sondern z. B. auch �ber das Verh�ltnis zwischen Mensch und Natur (biblisch: Sch�pfung) macht. Und von diesen grunds�tzlichen Aussagen her sind dann auch R�ckschl�sse zur L�sung konkreter Probleme m�glich und notwendig. Vier dieser grunds�tzlichen Aussagen (sie entsprechen Abschnitten in der biblischen Heilsgeschichte) sollen uns im folgenden besch�ftigen:

a) Gott erschafft die Welt:

Gott allein � der lebendige, pers�nliche, eine und unendliche Gott der Bibel � ist der Sch�pfer der Welt Schon diese Aussage ist ungeheuer wichtig. Denn damit sind alle anderen Vorstellungen �ber die Entstehung der Welt abgelehnt � Vorstellungen, die den Wert der Welt oder die Bedeutung ihres Sch�pfers herabsetzen und einen verantwortlichen Umgang mit der Sch�pfung unm�glich machen w�rden. Es sind dies insbesondere: der Materialismus, der nur die sichtbare, diesseitige, raumzeitliche Wirklichkeit einer Materie kennt, die sich in einem letztlich unerkl�rlichen Prozess fortlaufend selbst hervorbringt; und auch der damit verwandte Evolutionismus, der die Entstehung der Lebewesen auf die Prinzipien Mutation und Selektion und damit auf eine Kette von Zuf�llen zur�ckf�hrt. Wer diese Weltanschauungen vertritt, wird der Welt h�chstens einen Selbstzweck, aber keinen weitergehenden Sinn zuerkennen. Er wird sich mit der notwendigen R�cksichtnahme schwer tun, da er sich ja nicht vor Gott verantworten zu m�ssen meint.

Abgelehnt ist auch das andere, genauso unbiblische Extrem: der Pantheismus, der die ganze Welt als Ausfluss der Gottheit ansieht und danach strebt, Gott im Gesch�pflichen zu finden und zu verehren. Gewiss besitzt der Pantheist eine sehr innige Beziehung zu allen Gesch�pfen. Er behandelt sie mit Hochachtung und Ehrfurcht (vgl. das ethische Prinzip "Ehrfurcht vor dem Leben" von Albert Schweitzer; Konsequente Eschatologie). Sein Irrtum liegt aber darin, dass er in den Gesch�pfen Gott zu sehen meint, dass er den Unterschied zwischen Sch�pfer und Gesch�pf aufhebt oder relativiert. So erkennt er weder Sch�pfer noch Gesch�pf, wie sie wirklich sind, sondern verwechselt beide in unzul�ssiger Weise. So verfallt er der Illusion, Heil aus der Natur erringen zu k�nnen, statt im alleinigen Vertrauen auf Gott und seinen Sohn Jesus Christus. Die Bibel betont durchgehend den Unterschied zwischen Sch�pfer und Gesch�pf, etwa in der Erschaffung des Menschen als Gottes Abbild und Gegen�ber (1. Mose 1, 27; 2, 18), in der Kontrastierung der Souver�nit�t Gottes und der Gefallenheit der Sch�pfung (R�mer 8 u. �.), im Verbot der pantheistisch-heidnischen G�tzen- und Bilderverehrung (2. Mose 20, 4 f. u. �.), an allen Stellen, die von der S�nde und Erl�sungsbed�rftigkeit des Menschen und der ganzen Sch�pfung handeln. Gott ist zwar der unendliche, aber zugleich der eine, lebendige und pers�nliche Gott (5. Mose 6, 4; Jes 57, 15; Mt 6,9 ff.; Joh 14; 1.Tim 6,16 u.�.).

b) Der Mensch verwaltet die Welt:

Schon in 1. Mose 2, 15 hei�t es:

"Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte."

"Bebauen und bewahren" hei�t nicht "zerst�ren", sondern "schonend als Lebensraum erschlie�en" - und dieser Auftrag bezieht sich auf die ganze Erde. Diese Erschlie�ung muss immer in der Verantwortung vor Gott geschehen, nicht in der selbstherrlichen Tyrannei des Menschen �ber die �brige Sch�pfung. Denn die Erde geh�rt Gott (3. Mose 25, 23); der Mensch ist lediglich Verwalter (vgl. Ps. 8, 5 ff.). In diesem Sinn ist auch das "Untertanmachen" der Erde und das "Herrschen" �ber die Mitgesch�pfe des Menschen zu verstehen (1. Mose 1, 26.28). Der Mensch ist zum gerechten und liebenden Herrscher �ber die Erde bestimmt und soll damit Abbild der Gerechtigkeit und Liebe Gottes sein. Er hat keinen Zerst�rungs-, sondern einen Verwaltungs- und Erhaltungsauftrag. Auch wurde in der Bibel der Tierschutz nicht vergessen, wie manchmal behauptet wird. Man lese nur einmal 5. Mose 22, 1-10; 25, 4; Jes 11,6ff.;               R�m 8,16ff. u. a. Allerdings ist in der Bibel nirgends die Rede von einem "mystischen Einheitsgef�hl" zwischen Menschen und Tieren oder gar zwischen allem Lebendigen, wie dies in esoterischen und alternativen Kreisen leider h�ufig geschieht.

c) Die S�nde verunstaltet die Welt:

Die von Gott gut geschaffene und dem Menschen zur Verwaltung �berantwortete Sch�pfung ist in den S�ndenfall des Menschen mit hineingerissen worden (1. Mose 3 u. �.). Der Mensch hat sich von Gott, seinem Sch�pfer, losgesagt und sein Verwaltungsrecht �ber die Sch�pfung missbraucht. Ausbeutung, Leid und Tod sind an die Stelle von Pflege und Bewahrung getreten. Die ganze Welt wurde Machtbereich des B�sen, Machtbereich Satans, des "F�rsten dieser Welt" (Mt 4,8f.; Joh 12,31; 2. Kor 4,4; Eph 2,2; 6,11f. u. �.). Wer Umweltkrise, Kriegsgefahr, Hungersn�te, Katastrophen usw. einmal unter diesem Blickwinkel betrachtet, erschrickt. Er erkennt pl�tzlich hinter all diesen Bedrohungen eine viel schlimmere, viel furchteinfl��endere Bedrohung: das Wirken Satans und das Verstricktsein des Menschen in die >S�nde.

"Aus dem Herzen kommen die b�sen Gedanken" (Mt 15, 19).

"Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein br�llender L�we" (1. Petr 5,8).

Unf�hig zum wirklich Guten (Mt 19,17) und bedroht ist der Mensch. Wie soll dann aber noch Rettung m�glich sein?

d) Christus verwandelt die Welt:

Die Macht Satans und der menschlichen S�nde ist so gro�, dass sie kein Mensch aus eigener Kraft �berwinden kann. Deshalb hat Gott in seiner unbegreiflichen Weisheit und G�te einen anderen Weg gew�hlt:

"So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben" (Joh 3,16).

Jesus Christus, Gottes Sohn, ist stellvertretend f�r uns am Kreuz gestorben. Er hat als Unschuldiger f�r unsere Schuld geb��t (2. Kor 5,21). Dadurch hat er uns � aus Gnade � von der Macht der S�nde, des Todes und des Teufels befreit und die zerrissene Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Er hat uns mit Gott vers�hnt. Durch seine Auferweckung von den Toten hat ihn Gott als seinen Sohn und als "Lebensf�rst" best�tigt. Jetzt gilt:

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Sch�pfung; das Alte ist vergangen, siehe, ein Neues ist geworden. [...] Gott vers�hnte in Christus die Welt mit sich selbst" (2. Kor. 5, 17.19).

Das hei�t aber: Christus verwandelt die Welt durch die Christen. Somit gilt: Allein der glaubende Christ ist wirklich mit Gott vers�hnt. Diese erfahrene Vers�hnung wirkt sich auf vielf�ltige Weise verwandelnd und heilend auf ihn und auf seine Umgebung aus. Aus der Vers�hnung mit Gott folgt: die Vers�hnung des Menschen mit sich selbst (in Form der �berwindung seiner inneren Zerrissenheit, seines Hin- und Hergerissenseins zwischen Gott und Satan); die Vers�hnung mit den Mitmenschen; die Vers�hnung mit der �brigen Sch�pfung.

Wie verh�lt sich ein wirklicher Christ gegen�ber der Sch�pfung ?

1. Weil er Gott liebt, wird er auch die Sch�pfung lieben:

die Tiere, die Pflanzen, die Fl�sse, die Seen � alles, was Gott geschaffen hat. Er wird die Sch�pfung lieben um Gottes willen und um ihrer selbst willen, nicht um seines eigenen Vorteils oder seiner eigenen Gesundheit willen. Er wird freilich auch erkennen, dass er auf die Erhaltung der Sch�pfung angewiesen ist, wenn er selbst �berleben will.

2. Er wird die Sch�pfung verwalten und nicht zerst�ren, so wie es der Menschheit urspr�nglich von Gott aufgetragen war. Weil er sie nicht zerst�ren will, wird er so schonend wie m�glich mit ihr umgehen.

3. Er wird Stimme f�r die "seufzende Kreatur" sein,

die selbst nicht reden kann und die ...

"wartet, dass Gottes Kinder offenbar werden" (R�m 8, 19).

4. Er wird einen einfachen Lebensstil praktizieren aus R�cksicht auf die knapp werdenden Sch�pfungsg�ter und die Not der Hungernden. Er wird so planen, dass er das hat, was er wirklich zum Leben braucht, aber seinen �berfluss an Notleidende abgibt. Ein Unternehmer wird so wirtschaften, dass er durch sinnvolle Investitionen Betrieb und Arbeitspl�tze erh�lt, aber nicht durch ma�loses Jagen nach Profit zum Diener des Mammons wird (Mt 6,19ff. u. �.).

5. Er wird kein Anh�nger eines ungez�gelten wirtschaftlichen Wachstums sein, das die Sch�pfung zerst�rt, die Vorr�te aufzehrt und unseren Kindern einen gepl�nderten Planeten  hinterl�sst.

6. Er wird beispielhaft zu leben versuchen, in seinem eigenen Bereich mit einem verantwortlichen Leben beginnen und andere � auch Politiker - auf ihren Erhaltungs- und Verwaltungsauftrag gegen�ber der Sch�pfung hinweisen.

7. Bei alledem wird er wissen, dass er sich durch gute Werke (auch durch das gute Werk eines "einfachen Lebensstils") nicht den Himmel verdienen kann, sondern dass die guten Werke Fr�chte seines Glaubens sind.

"Denn es gibt hier keinen Unterschied: Alle haben ges�ndigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl�sung, die durch Christus Jesus geschehen ist" (R�mer 3, 23 f.).

Lit.: L. Gassmann, Gr�n war die Hoffnung. Geschichte und Kritik der gr�nen Bewegung, 1994.

Lothar Gassmann


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Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):

1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch

Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de