Auferstehung Jesu Christi
Die A. von den Toten best�tigt Jesus von Nazareth als den von Gott dem Vater gesandten Messias und Erl�ser aller, die an ihn glauben. Er ist der "Erstling der Entschlafenen" (1. Kor 15). Seine A. bildet die Grundlage f�r die Auferstehung der Gl�ubigen zum Heil und ewigen Leben. Wichtig ist, dass es sich bei der A. um eine historisch geschehene, leibliche Auferstehung handelt, was in den Evangelienberichten immer wieder betont wird, wenn auch mit einem neuen, unverg�nglichen Leib (der auferstandene Christus isst, zeigt seine Wundmale und kann zugleich mit seinem verwandelten Leib durch geschlossene T�ren gehen). So wird auch die allgemeine Auferstehung der Toten eine leibliche Auferstehung mit einem neuen, verwandelten und unverweslichen Leib sein (1. Kor 15).
Die historisch geschehene, leibliche A. wird immer wieder in Zweifel gezogen (siehe z.B. >Entmythologisierung, Rationalismus). Demgegen�ber lassen sich als Antwort auf die Argumente der Bestreiter folgende Tatsachen ins Feld f�hren:
- a) Das leere Grab: Dass das Grab Jesu Christi leer war, ist eindeutig nachweisbar. Der Leichnam Jesu war nicht mehr aufzufinden. Er w�re sonst mit Sicherheit von den Beh�rden zur Widerlegung der Osterverk�ndigung der J�nger vorgezeigt worden.
- b) Die Erscheinungen des Auferstandenen und seine Selbstoffenbarungen in Wort und Zeichenhandlungen sind vielfach und konkret im Neuen Testament bezeugt. Der Apostel Paulus nennt in 1. Kor 15 �ber 500 Augenzeugen, bei denen man damals zum Teil sogar noch nachfragen konnte.
- c) Die Ver�nderung der J�nger nach Ostern ist nur durch ein umw�lzendes Erlebnis erkl�rbar. Die J�nger wurden von einem verzagten "Haufen" zu standhaften und mutigen Bekennern. Sie scheuten weder Hunger noch Verfolgung noch Gef�ngnis noch Tod, um das, was sie erlebt hatten, zu bezeugen. Dieses Erlebnis ist nach ihrem einm�tigen Bekenntnis die Auferstehung Jesu Christi.
- d) Alttestamentliche Prophezeiungen, die sich auf die (heilschaffende) Auferstehung eines Einzelnen beziehen, werden erst im Licht von Jesu Auferstehung verst�ndlich. Auch die J�nger verstehen diese Schriftstellen erst, als der auferstandene Jesus sie ihnen auslegt (Lk 24,13ff). Wichtige Stellen sind:
- Psalm 16,10: "Du wirst mich nicht dem Tode �berlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.
- der ganze Psalm 22 (das Gebet Jesu am Kreuz), besonders Vers 22: "Hilf mir aus dem Rachen des L�wen! ... Du hast mich erh�rt."
- Jesaja 53, besonders die Verse 10+11: "Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die L�nge leben und des HErrn Plan wird durch seine Hand gelingen. Weil seine Seele sich abgem�ht hat, wird er das Licht schauen und die F�lle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er tr�gt ihre S�nden."
Im folgenden sei auf einige Gegenargumente noch etwas ausf�hrlicher eingegangen:
A. "Jesus war nur scheintot".
Es wird manchmal behauptet, Jesus sei vor Ersch�pfung und Blutverlust ohnm�chtig, aber nicht tot gewesen. In der K�hle des Grabes sei er wieder zu sich gekommen und dann seinen Anh�ngern begegnet. Folgende Argumente sprechen jedoch gegen diese Behauptung:
- a) Der Tod Jesu ist das bestbezeugte Ereignis im ganzen Neuen Testament. Es er�brigt sich, Bibelstellen aufzuf�hren.
- b) Schon vor der Kreuzigung war Jesus so schwach, dass ein anderer das Kreuz f�r ihn tragen musste (Lk 23,26ff).
- c) Am Kreuz st��t Jesus den Todesschrei aus (Mk 15,37 par). Das aber h�tte er in dieser Lage schwerlich vort�uschen k�nnen.
- d) "Einer der Kriegsknechte �ffnete seine Seite mit seinem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus" (Joh 19,34). Das ist ein medizinisch eindeutiges Zeichen, dass Jesus tot war (Blutver�nderung).
- e) Die Soldaten, die sicher schon an vielen Kreuzigungen beteiligt waren, waren so sehr vom Tod Jesu �berzeugt, dass sie ihm nicht die Beine brachen (das tat man sonst, um das Sterben zu beschleunigen und die Todesqualen abzuk�rzen) (Joh 19,33).
- f) Die Evangelisten berichten, dass am Abend nach der Kreuzigung Josef von Arimathia zu Pilatus ging, ihn um den Leichnam Jesu bat und daraufhin erst Jesus vom Kreuz abnahm (Mk 15,42ff par). Das deutet darauf hin, dass Jesus nach seinem Todesschrei noch einige Zeit, vielleicht Stunden, am Kreuz hing und somit also wirklich tot sein musste.
- g) W�re Jesus mit seinem alten, zerschundenen und durch Blutverlust geschw�chten Leib aus dem Grab gestiegen (wie h�tte er den schweren und versiegelten Felsblock bewegen k�nnen?), dann h�tte ihn wohl niemand als Todes�berwinder und F�rst des Lebens (an)erkannt. Also muss der auferstandene Jesus eine neue, verwandelte Leiblichkeit gehabt haben.
- h) Damit ist auch die Behauptung des Islam widerlegt, ein anderer sei an Jesu Stelle gekreuzigt worden und Jesus sei unverwandelt, wie vorher seinen J�ngern begegnet. Zus�tzlich zu den eben genannten Argumenten seien gegen diese Ansicht folgende weitere angef�hrt:
- i) Die r�mischen Beh�rden, die Juden, die J�nger, die Frauen unter dem Kreuz (darunter seine Mutter) � sie alle haben Jesus gekannt und gewusst, dass er es ist, der nun am Kreuz h�ngt.
- j) Es ist kaum vorstellbar, dass ein Doppelg�nger h�tte gefunden werden k�nnen, der solche �hnlichkeit mit Jesus gehabt h�tte, dass keiner einen Betrug bemerkt h�tte, und der dazu noch bereit gewesen w�re, sich f�r einen anderen qualvoll kreuzigen zu lassen.
- k) Von einem eventuellen Zwillingsbruder Jesu ist uns nichts berichtet. Au�erdem ist von der Einzigartigkeit Jesu und seiner Geburt her auszuschlie�en, dass er einen Zwillingsbruder gehabt haben k�nnte. Auch haben die J�nger die Familie Jesu gekannt und h�tten von einem Zwillingsbruder gewusst, falls er existiert h�tte. Sie w�ren auf eine derartige T�uschung nicht hereingefallen.
- l) Allein der lebendige, auferstandene Christus mit seiner neuen, verwandelten Leiblichkeit konnte den Glauben der J�nger (neu) wecken.
B. "Die J�nger haben den Leichnam Jesu gestohlen".
Hier geht es um die Frage, warum das Grab Jesu leer war. Dass das Grab leer war, l��t sich nach allen historisch feststellbaren Anzeichen schwerlich bestreiten. Denn:
- a) Nicht einmal die Gegner Jesu bestreiten es. Sie sehen sich gezwungen, eine L�ge in die Welt zu setzen, um das Leersein des Grabes zu erkl�ren und die Auferstehung Jesu totzuschweigen (Mt 28,11 ff par; vergleiche hiermit die rabbinische Literatur bis auf den heutigen Tag). Siehe auch unten, Punkt f.
- b) Frauen werden als erste Zeugen genannt, die das leere Grab sehen (Mk 16,1 ff par). Frauen besa�en aber damals vor Gericht kein Zeugenrecht. Ihre Aussagen galten als wertlos. Dass trotzdem Frauen als erste Zeugen genannt werden, spricht f�r die Echtheit der Berichte �ber die Entdeckung des leeren Grabes.
- c) F�r die J�nger besitzt das leere Grab zun�chst keinen Beweiswert f�r die Auferstehung. Ihre ersten Reaktionen auf die Mitteilungen der Frauen sind Unglaube und Spekulationen. Sie k�nnen sich das leere Grab nicht erkl�ren. Erst im Nachhinein, angesichts der Erscheinungen Jesu, wird ihnen seine Bedeutung gewiss. Dies spricht deshalb gegen die Annahme, dass sie das Leersein das Grabes erfunden h�tten, um die Auferstehung zu beweisen. Es ist genau umgekehrt: Erst die Wirklichkeit der Auferstehung �ffnet ihnen die Augen daf�r, warum das Grab leer war.
- d) Schlie�lich ist zu bedenken: Die Behauptung der J�nger, dass Jesus auferstanden ist, h�tte sich in Jerusalem nicht einen Tag halten k�nnen, wenn das Grab nicht wirklich leer gewesen w�re. Jeder h�tte sagen k�nnen: Seht, er liegt doch noch drin! � Aber es war eben kein Leichnam mehr im Grab zu finden.
So bleibt zu er�rtern, ob die J�nger den Leichnam Jesu gestohlen haben.
- e) Schon die Hohepriester und Pharis�er haben mit dieser M�glichkeit gerechnet und ihr vorgebeugt: Das Grab wurde bewacht und versiegelt (Mt 27,62ff). Ein Versagen der Wachsoldaten im Dienst, also z. B. Einschlafen, wurde im r�mischen Reich meist mit dem Tode bestraft und ist deshalb sehr unwahrscheinlich.
- f) Als dann der Leichnam Jesu doch aus dem Grab verschwunden ist, sind die Hohepriester und �ltesten es, die bewusst die Behauptung in die Welt setzen, seine J�nger h�tten ihn gestohlen. Sie erkaufen diese Behauptung durch Bestechung der Grabw�chter. "Und so ist dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den heutigen Tag" (Mt 28,15).
- g) Es ist zu fragen, ob die J�nger, die v�llig entmutigt waren, dies getan h�tten. Sie hatten in Jesus den Messias der Herrlichkeit erwartet, der Israel von der r�mischen Fremdherrschaft befreien sollte (Apg 1,6). Und dann in ihren Augen diese "Schande der Kreuzigung". Nach j�dischem Gesetz galt: "Verflucht ist, der am Holz h�ngt" (Gal 3,13; nach 5. Mose 21,23). Die J�nger konnten diesen Schritt Jesu nicht begreifen, da sie immer noch in der j�dischen Tradition standen. Petrus will Jesus davon abhalten, den Leidensweg zu gehen ("HErr, das verh�te Gott! Das widerfahre dir nur nicht!"; Mt 16,22). Als Jesus den Weg trotzdem geht, verleugnet ihn Petrus und weint bitterlich, � weil er Jesus verleugnet hat und weil nun seine Hoffnungen im Winde zerst�uben (Mt 26,69ff par). Immer wieder wird in den Evangelien berichtet, dass die J�nger die Voraussagen Jesu �ber sein Leiden, seine Kreuzigung und seine Auferstehung nicht verstanden ("Die Rede war ihnen verborgen, und sie wussten nicht, was das Gesagte war"; Lukas 18,34). In den Augen der J�nger musste Jesus v�llig gescheitert sein. Bei der Kreuzigung wird kaum noch einer der J�nger erw�hnt, so dass sie sich offenbar schon weitgehend von Jesus abgewandt hatten. Jesus hatte es ihnen vorausgesagt: Wenn der Hirte geschlagen wird, werden sich "die Schafe der Herde zerstreuen" (Mt 26,31). Und diese J�nger h�tten noch den Antrieb und die �berzeugung haben sollen, um einen Leichendiebstahl zu begehen und dann Jesus als den Retter zu verk�ndigen?
- h) Deshalb musste etwas Besonderes, von au�en Kommendes vorfallen, um die spektakul�re Ver�nderung bei den J�ngern herbeizuf�hren, von der uns das Neue Testament berichtet. Aus einem verzagten "Haufen" wurden mutige Bekenner, M�rtyrer, die weder Gef�ngnis noch Folter noch Hunger noch Tod scheuten, um weiterzusagen, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Diese Ver�nderung l�sst sich am ehesten durch ein wirkliches Ereignis, eben die Auferstehung, erkl�ren, am wenigsten aber durch eine bewusste T�uschung.
- i) Diebstahl und Betrug ist mit der Glaubenshaltung der J�nger unvereinbar. Ihnen, die Zeugen der Wahrheit sind, kann unm�glich zugetraut werden, dass sie eine L�ge zur Grundlage ihrer Verk�ndigung machen.
C. "Die J�nger haben sich das alles nur eingebildet".
Auch die Erscheinungen Jesu werden hinterfragt. Man spricht von "Visionen", "Massenhalluzinationen" und "subjektiven Erfahrungen". Man behauptet, Jesus sei nicht leiblich auferstanden, sondern in der Einbildung der J�nger. Der Glaube der J�nger habe die Auferstehung "geschaffen", aber nicht eine wirkliche Auferstehung den Glauben. � Der Theologe Rudolf Bultmann meinte: Es sei belanglos, ob Jesus konkret, tats�chlich und leiblich auferstanden sei (Bultmann sprach oft von "vision�ren Erlebnissen"). Wichtig sei, dass sich die Auferstehung immer weiter fortereigne bis auf den heutigen Tag, und zwar immer dort, wo uns das Wort von Kreuz und Auferstehung in der Predigt treffe.
- a) Dahinter steht die � an sich richtige � Beobachtung, dass als historisches Ereignis nur der Glaube der J�nger eindeutig fassbar ist, nicht aber die Auferstehung Jesu als solche. Daraus aber zu folgern, dass deshalb die Auferstehung Jesu nicht historisch sein m�sse, ist kurzschl�ssig. Die Auferstehung ist nicht historisch beweisbar, aber ohne Auferstehung ist der Glaube der J�nger, der historisch erweisbar ist, unverst�ndlich.
- b) Denn, wie schon gezeigt, gab es vor der Auferstehung gar keinen Glauben der J�nger mehr an Jesus. Sie waren wie die Schafe zerstreut. Sogar dann noch, als sie den Auferstandenen sahen, konnten sie es nicht glauben und reagierten zun�chst mit Furcht, Zweifel und Blindheit. Nur die Tats�chlichkeit der Auferstehung Jesu konnte ihren Glauben (neu) wecken und sie zu ihrem missionarischen Eifer und ihrer Opferbereitschaft anspornen.
- c) Die Auferstehung aller Toten am Ende der Zeiten war f�r Juden eine gewohnte Vorstellung, aber nicht die Auferstehung eines einzelnen inmitten der Zeit (und dann auch noch mit Heilsanspruch). Es ist schwer einzusehen, dass die J�nger, die von j�dischem Hintergrund herkamen, sich die Auferstehung Jesu (und dann wom�glich noch als Wunschtraum) eingebildet h�tten. Jesus hatte zwar seine Auferstehung angek�ndigt, aber die J�nger hatten seine Worte nicht verstanden (Lk 18,34). Erst der Auferstandene selber kann ihnen klarmachen, was (schon im Alten Testament, aber meist nicht beachtet, z. B. in Jes 53) �ber ihn vorausgesagt war (Lk 24,25ff).
- d) Der Apostel Paulus nennt eine �berw�ltigende Zahl von Zeugen, die den auferstandenen Jesus gesehen haben (1. Kor 15,5ff). Es handelt sich um die verschiedensten Arten von Menschen. Normalerweise treten aber nur bei einer bestimmten Art von Menschen Halluzinationen auf. So k�nnte man es sich unter Umst�nden bei der gef�hlsbetonten Maria Magdalena vorstellen, die zudem noch mit dem Makel ehemaliger Besessenheit behaftet ist (Jesus hat aus ihr sieben b�se Geister ausgetrieben; Lk 8,2). Hingegen ist es schwer denkbar, dass so gefestigte M�nner wie die sp�teren "Apostels�ulen" Jakobus, Petrus und Johannes Halluzinationen gehabt haben sollten. Noch schwerer denkbar ist, dass sie alle die gleichen Halluzinationen erlebten.
- e) Auch eine seelische "Kettenreaktion" von Visionen ist auszuschlie�en; denn die Erscheinungen liegen zeitlich auseinander. Sie sind auch nicht an bestimmte Orte oder Stimmungen gebunden, die ja Halluzinationen beg�nstigen k�nnten. So begegnet Jesus im Garten, auf der Stra�e, am See oder auch in einem ganz "n�chternen" Zimmer seinen J�ngern.
- f) Wer an krankhaften Zwangsvorstellungen leidet, erlebt diese immer wieder. Die Erscheinungen Jesu aber h�ren abrupt nach vierzig Tagen auf, als Jesus zum Himmel f�hrt (Apg 1). (Eine Ausnahme bildet Paulus, dem nach drei Jahren der zum Vater erh�hte Christus begegnet; Apg 9,1ff).
- g) H�tten die Evangelisten auch die Zweifel der J�nger geschildert, wenn die Auferstehung nur Erzeugnis ihres Glaubens gewesen w�re? Ausdr�cklich wird mehrmals erw�hnt, dass manche J�nger schon bei der Begegnung mit dem Auferstandenen zweifelten (also nicht erst im Nachhinein, wo man ins Nachdenken kommt) � ein Hinweis, dass die Begegnungen mit wachen Sinnen erfolgten.
- h) Die Evangelisten legen gro�en Wert auf die Leiblichkeit der Auferstehung Jesu. Es wird geschildert, wie er isst, Brot bricht, sich anfassen l�sst usw. Der zweifelnde Thomas darf seine H�nde an die Wundmale Jesu legen (Joh 20,24ff). Damit wird jede Behauptung, es handle sich um Einbildung, vollends ad absurdum gef�hrt.
- i) Ohne die befreiende, lebenschaffende Kraft des wirklich Auferstandenen w�re unser Glaube ein totes, gesetzliches "Mu�", eine selbstauferlegte Zwangsvorstellung, und wir w�ren "die Elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden!" (1. Kor 15,19f).
D. "Warum ist Jesus nur seinen Anh�ngern erschienen?"
"Wenn er allen erschienen w�re, dann h�tten alle an ihn geglaubt. Aber so ... Vielleicht haben die J�nger doch alles nur erfunden." Dieser Einwand ist aus mehreren Gr�nden falsch.
- a) Seine J�nger waren gro�enteils nicht mehr seine J�nger. Sie zweifelten an Jesus. Sogar Petrus hatte Jesus verleugnet. Sie waren in alle Winde zerstreut und gingen zum Teil schon wieder ihren alten Berufen nach. So trifft der auferstandene Jesus Petrus und andere � beim Fischen an (Joh 21,1ff). Erst und ausschlie�lich dadurch, dass ihnen der Auferstandene wirklich erscheint, erhalten sie eine neue Beauftragung und werden zu Zeugen des Evangeliums.
- b) Jesus erscheint Jakobus, seinem irdischen Bruder, der zu Lebzeiten nicht an ihn geglaubt hatte (1. Kor 15,7; Mk 3,21). � Jesus erscheint Saulus, dem sp�teren Paulus, der ebenfalls nicht an Jesus geglaubt, sondern die Christen sogar verfolgt hatte (Apg 9,1ff). Es sind also keineswegs nur fr�here Anh�nger, denen Jesus erscheint, sondern Menschen, mit denen er etwas vorhat.
- c) Es ist nat�rlich durchaus richtig, dass sich Jesus (von wichtigen Ausnahmen abgesehen) in erster Linie seinen (ehemaligen) Anh�ngern offenbart. Das d�rfte seinen Grund darin haben, dass sie als Wegbegleiter des lehrenden und leidenden Jesus in besonderem Ma� gew�rdigt und bef�higt sind, Zeugen Jesu f�r andere zu sein. So geh�ren Augenzeugenschaft des Lebens und der Auferstehung Jesu zusammen, um Apostel zu werden (Apg 1,21f).
- d) Es ist fraglich, ob alle, die Jesus vorher abgelehnt hatten, an ihn geglaubt h�tten, wenn er ihnen erschienen w�re. Bei den meisten w�re wohl die Verblendung gr��er gewesen. Sie haben ja auch schon vorher trotz seiner Worte, Wundertaten und sogar Totenauferweckungen nicht an ihn geglaubt. Die Hohepriester und �ltesten sind nicht einmal angesichts des leeren Grabes ins Nachdenken gekommen, sondern hatten nichts Besseres zu tun, als erfundene Behauptungen in die Welt zu setzen. Jeden Gedanken an eine wirkliche Auferstehung verdr�ngten sie. So muss man annehmen, dass sie Jesus wom�glich sogar ein zweites Mal h�tten kreuzigen lassen. Solche verstockten Herzen sind keiner Erscheinung wert. Deshalb offenbart sich Jesus nur Auserw�hlten, die er zu Zeugen bestimmt. "Das Geheimnis Gottes ist f�r die, die ihn f�rchten" (Ps 25,14).
- e) Somit steht fest: Nicht alle, wahrscheinlich sogar die wenigsten, denen Jesus begegnet, glaubten (noch) an ihn. Aber alle, denen er begegnet, werden durch diese Begegnung zu Glaubenden.
E. "Warum wird der auferstandene Jesus nicht sofort erkannt?"
Die J�nger am See Tiberias erkennen Jesus nicht sofort (Joh 21,1ff). Maria h�lt ihn zun�chst f�r den G�rtner (Joh 20,11ff). Die Emmaus-J�nger erkennen ihn erst beim Brotbrechen (Lk 24,13ff). � K�nnte es sich also nicht um Verwechslungen handeln? Oder um einen Wunschtraum: den Wunsch, in anderen Jesus wiederzusehen? Auch diese Fragen lassen sich kl�ren.
- a) Der Hauptgrund f�r das anf�ngliche Nichterkennen ist wohl, dass Jesus nach der Auferstehung einen verwandelten Leib hatte, mit dem er durch W�nde gehen, erscheinen und verschwinden konnte. Die J�nger halten ihn deshalb zun�chst f�r einen Geist (Lk 24,37). In 1. Kor 15 Ist dieser Leib mit stammelnden Worten beschrieben. Dennoch ist Jesus schlie�lich eindeutig erkennbar als der HErr, der sich im Wort offenbart, der Zeichen und Wunder tut und der durch Handlungen wie das Brotbrechen neue Gemeinschaft stiftet. Er zeigt seine Wundmale und wird daran eindeutig als der zuvor Gekreuzigte und Gestorbene erkannt.
- b) Keiner hatte wirklich mit einer Auferstehung gerechnet. Die J�nger hatten die betreffenden Ank�ndigungen Jesu nicht verstanden (Lk 18,34). Der auferstandene Jesus muss ihnen erst erkl�ren, dass in ihm alttestamentliche Voraussagen erf�llt sind, ehe sie ihn erkennen (Lk 24,27ff).
- c) Die Begegnung am See Tiberias erfolgte nachts und in der D�mmerung. Jesus stand am Ufer und konnte von den fischenden J�ngern, die wohl erst auf Rufweite herangerudert waren, nicht sofort erkannt werden. Als sie aber fast am Ufer sind, erkennt "der J�nger, den Jesus liebhatte" als erster den Auferstandenen (Joh 21,1ff).
- d) Man kann vermuten, dass Maria vor Trauer so gebeugt war, dass sie den Mann, der pl�tzlich bei ihr am Grab stand, nicht anblicken konnte. Vor Tr�nen konnte sie nicht mehr klar sehen. Auch hatten Frauen zur Zeit Jesu eine gewisse Scheu, mit unbekannten M�nnern zu reden. Erst als sie den vertrauten Klang ihres Namens aus seinem Munde h�rt, erkennt sie Jesus (Joh 20,11ff).
- e) Gott selbst verschlie�t den Jungem zun�chst die Augen (Lk 24,16; Emmausj�nger). Sie sollen durch das Wort �berzeugt werden, ehe sie Jesus auch leiblich erkennen. Deshalb werden ihnen erst, als Jesus sie anredet oder ein Zeichen tut, die Augen aufgetan. Ohne Wortoffenbarung w�ren die Erscheinungen ein sprachloses Ph�nomen und willk�rlicher Deutung unterworfen. Durch das Wort aber werden sie zum eindeutigen Ereignis und gleichzeitig zur glaubenweckenden Verk�ndigung. Schon hier geht also die Tendenz dahin: "Selig, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29). Noch ist Jesus sichtbar, aber der Glaube darf sich nicht daran klammern � sonst ist es kein Glaube. Den ersten Zeugen aber werden schlie�lich immer die Augen von Gott ge�ffnet, so dass sie Jesus erkennen. Sie sind Augenzeugen und Glaubenszeugen zugleich, unersch�tterliche Zeugen f�r uns, die wir nicht im Schauen stehen.
F. "Es gibt so viele Widerspr�che in den Auferstehungsberichten".
In der Tat scheint es � zumindest auf den ersten Blick � so zu sein. Einige Beispiele: Zun�chst ist festzustellen, dass jeder Evangelist nur einen Teil der Osterberichte schildert. Sodann berichtet Johannes von einer, Matth�us von zwei, Markus von drei und Lukas von einer ganzen Reihe von Frauen am Grab Jesu. Nach Markus und Matth�us begegnet ihnen ein Engel, nach Lukas sind es zwei. Nach Matth�us und Markus befiehlt Jesus seinen J�ngern, nach Galil�a zur�ckzukehren, nach Lukas befiehlt er ihnen, in Jerusalem zu bleiben. Handelt es sich wirklich um Widerspr�che? Und wenn ja, spricht dies gegen die historische Glaubw�rdigkeit der Osterberichte? Hierzu ist folgendes anzumerken:
- a) Die Evangelisten verfuhren nicht nach den literarischen Schreibgewohnheiten des 20. Jahrhunderts, denen es auf eine m�glichst umfassende Vollst�ndigkeit in der Darstellung ankommt. Sie wollen eine glaubw�rdige und in sich wahre Bezeugung vom Vorgefallenen geben. "Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor den J�ngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, da� ihr glaubt (!) ..." (Joh 20,30). Es kommt also nicht in erster Linie auf Vollst�ndigkeit an. Nach antikem und j�dischem Recht galt: "Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll eine Sache g�ltig sein" (5. Mose 19,15 u.�.). Entsprechend gen�gte es, zwei oder drei Erscheinungen zu schildern. So wird klar, warum nicht alle Ostererscheinungen bei allen Evangelisten berichtet sind, sondern jeweils nur ein Teil. Die Evangelien widersprechen sich nicht, sondern erg�nzen einander.
- b) Aber wie kommt es zu den unterschiedlichen Personen-, Orts- und Zeitangaben innerhalb einzelner Berichte zwischen den verschiedenen Evangelien? Der Theologe K. B�rgener zeigt in seinem Buch "Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten" an vielen Beispielen, dass aufgrund der (uns heute schwer verst�ndlichen) Denkgewohnheiten der Evangelisten Unvollst�ndigkeit ein allgemeines Kennzeichen ihrer Berichterstattung ist. B�rgener spricht von einer
- "Methode der fehlenden Personenangaben": Personen, auf die es dem einzelnen Berichterstatter nicht ankommt, bleiben unerw�hnt. So gen�gt es z. B. Johannes, nur von Maria Magdalena zu berichten, die der Auferstandene anspricht (Johannes legt auch sonst in seinem ganzen Evangelium sehr viel Wert auf Worte und Reden Jesu).
- "Methode der fehlenden Zeit- und Ortsangaben": Sie bedeutet, "da� man �berall da, wo im Neuen Testament eine neue Begebenheit erz�hlt wird, ohne da� dabei ein direkter zeitlicher Anschlu� an das bisher Erz�hlte deutlich gemacht wird, mit einem unbestimmten, mehr oder weniger langen Zeitraum zwischen den Begebenheiten rechnen mu�" (B�rgener, 31). Daraus folgt zugleich die M�glichkeit eines (pl�tzlichen) Ortswechsels, ohne dass dies in den Evangelien ausdr�cklich erw�hnt ist. B�rgener vermutet solche zeitlichen und r�umlichen Einschnitte zwischen: Mt 28,1-8/9-15/16-20; Mk 16,9-11/12 + 13/14/15-18/19/20; Lk 24,13-43/44-49/50-53. Anhand dieser Hypothese lassen sich z. B. die Erscheinungen des Auferstandenen in Galil�a und Jerusalem zeitlich hintereinander ordnen, und es muss kein Widerspruch mehr zwischen ihnen gesehen werden. Auch zwischen Lk 24,49 und 24,50 muss ein zeitlicher Zwischenraum liegen; denn Jesus ist ja � nach dem eigenen weiteren Bericht des Lukas (Apg 1) � nicht sofort nach der Ostermontagsbegegnung in den Himmel aufgefahren.
- "Methode der kollektiven Ausdrucksweise": Der auferstandene Jesus begegnet elf oder zehn Aposteln, da Judas nicht mehr lebte und Thomas zeitweise abwesend war. Dennoch ist in 1. Kor 15,5; Joh 20 u. �. von den "Zw�lfen" die Rede, denen Jesus begegnet: eine festgepr�gte Wendung, eine kollektive Ausdrucksweise, zumal "zw�lf" eine heilige Vollzahl ist.
- c) Trotzdem bleiben Unterschiede in den Evangelien, vor allem in den Handlungsabl�ufen einzelner Ereignisse. Hier muss man aber bedenken, dass die Berichterstatter kein Protokollbuch mit sich f�hrten, worin alles im einzelnen h�tte festgehalten werden k�nnen. Die Erlebnisse wurden ja zun�chst von denen, die direkt beteiligt waren, also etwa den Frauen am Grabe, �berliefert und erst sp�ter unter Leitung des Heiligen Geistes von den Evangelisten niedergeschrieben (vergleiche Lk 1,1ff). Ber�cksichtigt man diesen Tatbestand, dann staunt man �ber das hohe Ma� an innerer �bereinstimmung.
- d) Zudem sind Unterschiede, die trotz allem bleiben, gerade ein Beweis f�r Glaubw�rdigkeit. Eine Zensurbeh�rde h�tte sie ja einebnen k�nnen. Dass man dies nicht getan hat, spricht f�r die Ehrfurcht vor der �berlieferten Tradition und damit gerade f�r die Echtheit der dargestellten Ereignisse.
- e) Ein zus�tzliches Argument f�r die Glaubw�rdigkeit der Berichte ist, dass in den Evangelien auch Zeugen genannt werden, die keine (gro�e) Autorit�t besa�en, zum Beispiel zwei v�llig unbekannte J�nger in Lk 24 (Emmaus-Geschichte) oder (damals juristisch v�llig unbedeutende) Frauen am leeren Grab (, die von den Aposteln ja auch zun�chst gar nicht ernstgenommen werden). Dass diese trotzdem genannt sind, bezeugt, dass sich die Evangelisten um die Darstellung des m�glichst genauen Ablaufs der Ereignisse bem�ht haben.
S. auch: Bibelkritik; >Entmythologisierung; Rationalismus; Wunder.
Lit.: K. B�rgener, Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (div. Aufl.); L. Gassmann, Auferstehung � das zentrale Ereignis, 1999.
Lothar Gassmann
Index
Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):
1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch
Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de