Entr�ckung ist im Neuen Bund die pl�tzliche und gleichzeitige Hinwegnahme der Gl�ubigen von dieser Erde zu Gott. �ber Art und Zeitpunkt der Entr�ckung jedoch sind sich die Ausleger nicht einig. So gibt es folgende Entr�ckungs-Theorien:
1) Der Pr�tribulationismus (Vorentr�ckungslehre) sagt, dass die Entr�ckung sp�testens sieben Jahre vor dem zweiten Kommen Jesu stattfindet, also auf jeden Fall vor der Tr�bsalszeit, unmittelbar vorher oder auch l�nger vorher. Der Zeitpunkt der Entr�ckung ist nicht genau definiert, aber auf jeden Fall kommt die Gemeinde der Erl�sten nicht in die siebenj�hrige Tr�bsal hinein.
2) Der Posttribulationismus (Nachentr�ckungslehre) lehrt die Entr�ckung nach der Tr�bsalszeit, die wohl sieben Jahre betragen d�rfte nach Daniel 9,27. Die Gemeinde werde in dem Moment entr�ckt, in dem Jesus in die Lufth�lle der Erde eintrete, um dann sofort, nachdem sie entr�ckt sei, mit ihm wieder zur Erde zur�ckzukehren (vgl. 1. Thess 4,17). Es geschieht also alles in einem Moment � und zwar nach der gro�en Tr�bsal. Die Wiederkunft Jesu zum Gericht und die Entr�ckung fallen praktisch zusammen zu einem Ereignis. Die verstorbenen Heiligen werden auferweckt, die lebenden Glaubenden verwandelt � und nach der Tr�bsal wird das Gericht gehalten.
3) Die Lehre von der "Entr�ckung in der Mitte der Tr�bsalszeit" (engl. "mid-tribulationism") stellt eine Kompromissl�sung dar. Sie geht davon aus, dass die Gemeinde in das Gericht in Form der Tr�bsal hinein muss und dass sie vor dem Offenbarwerden des Antichristen in seiner schrecklichsten Art dann doch hinwegger�ckt wird. Sie muss also die erste H�lfte der gro�en Tr�bsal erleben und wird entr�ckt, bevor sich in der zweiten H�lfte der Tr�bsalszeit die Schreckensherrschaft des Antichristen in ihrer F�lle entfaltet und die Gerichte Gottes in ihrer ganzen Heftigkeit hereinbrechen.
4) Die Lehre der ">Teil-Entr�ckung" (engl. "partial rapture") besagt, dass nur besonders qualifizierte Gl�ubige vor oder w�hrend der Tr�bsalszeit entr�ckt werden, vielleicht auch in Stufen. Es sollen die, die besonders wachsam sind, die besonders intensiv auf Jesus warten, die besonders zubereitet sind, entr�ckt werden.
5) Eine andere, neuartige Ansicht findet man in dem Buch von Marvin Rosenthal "Was glauben Sie �ber die Wiederkunft Christi? Ein neues Verst�ndnis der Entr�ckung, der Tr�bsal und des zweiten Kommens Jesu" (1994). Er vertritt die "Entr�ckung der Gemeinde vor dem Zorn Gottes" ("The Pre-Wrath-Rapture of the Church" � so der englische Original-Titel). Rosenthal weist darauf hin, dass dann, wenn die Bedr�ngnis so gro� wird, dass kein Gl�ubiger durchkommen k�nnte, die Tage f�r die Auserw�hlten verk�rzt werden (vgl. Mt 24,22). Die Entr�ckung erfolgt etwa vier bis f�nf Jahre nach Beginn der siebenj�hrigen Tr�bsalszeit. Bevor Gottes Zorn in F�lle eintritt, wird die Gemeinde hinweggenommen. Die Tr�bsal beginnt, dann kommt der Antichrist � und wenn der Antichrist auf seinem H�hepunkt ist und Gottes Zorn mit den Gerichtskatastrophen sich zunehmend erf�llt, wird die Gemeinde entr�ckt. Dann, wenn die Not am gr��ten ist, werden f�r sie "die Tage verk�rzt". Diese Ansicht ber�hrt sich mit der "Entr�ckung in der Mitte der Tr�bsal", doch liegt der Zeitpunkt etwas sp�ter.
6) Der Amillennialismus, sofern er �berhaupt von einer Entr�ckung reden kann, vertritt die Vorstellung, dass die Entr�ckung mit der Wiederkunft Jesu zusammenf�llt. Es gibt keine spezielle Entr�ckung vorher, weil es ja nach seiner Ansicht auch kein Tausendj�hriges Reich gibt. Die Entr�ckung ist identisch mit dem Endgericht und der Wiederkunft Christi.
Einige Bibelstellen weisen darauf hin, dass es vor der f�r alle Menschen sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi und vor dem Endgericht noch eine Entr�ckung geben k�nnte. Folgende Stellen aus dem Alten Testament werden in diesem Zusammenhang h�ufig zitiert: 1. Mose 5,21-24:
"Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Methuschelach. Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Methuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte S�hne und T�chter, dass sein ganzes Alter ward 365 Jahre. Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen."
2. K�n 2,11f.: "Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel. Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! und sah ihn nicht mehr."
So findet sich also bereits in alttestamentlicher Zeit das besondere Ereignis der pl�tzlichen Hinwegnahme zweier Menschen (Henoch und Elia) vor ihrem leiblichen Tod. Man kann hier von "Entr�ckung" sprechen. Es wird erwartet, dass die Brautgemeinde der Erl�sten als Gesamtheit dies einmal erleben wird. Bibelstellen aus dem Neuen Testament, die darauf hinweisen oder darauf hinzuweisen scheinen, sind v.a. die folgenden: Joh 14,1-3; 1. Thess 3,11-13; 4,13-18. Insbesondere in der letzten Stelle wird deutlich, dass es eine Reihenfolge gibt. Zuerst werden die Toten auferstehen. Dann werden die noch auf Erden lebenden Gl�ubigen eine Hinwegnahme, eine Hinwegr�ckung erleben, dem Herrn entgegen. Sie werden allezeit bei dem Herrn sein. Allerdings ist hier von einem bestimmten Zeitpunkt � wie auch an den anderen neutestamentlichen Stellen � nicht die Rede. Diese Stelle (der locus classicus der Entr�ckungslehre) kann deshalb sowohl pr�- als auch posttribulationistisch gedeutet werden und auch anderweitig, weil der Zeitpunkt nicht ausdr�cklich genannt wird. Posttribulationisten deuten diese Stelle so, dass die Entr�ckung gleichzeitig mit der endg�ltigen Wiederkunft geschieht. Die Toten werden auferweckt, die anderen werden zum Herrn hinger�ckt und die Welt wird gerichtet. Es kann also auch alles zeitlich zusammenfallen. Vertreter des Dispensationalismus sagen dagegen, dass die Entr�ckung vor den sieben Jahren der Tr�bsalszeit eintritt.
Zusammenfassend halte ich fest:
Es ist deutlich, dass es eine besondere Hinwegnahme der Gl�ubigen geben wird, die beim Herrn sein werden. Wann diese eintritt, ist unsicher, aber dass sie stattfindet, geht m.E. klar aus den zitierten Stellen hervor. Sie geschieht zu einem Zeitpunkt, den Gott vorherbestimmt hat. Und sie geschieht in einem Augenblick, im Nu, gewisserma�en mit einem Augenzwinkern, also ganz pl�tzlich und �berraschend. Entscheidend ist es nach dem eindeutigen neutestamentlichen Zeugnis (Mt 24-26), dass wir "allezeit" wachsam und bereit sind, dem Herrn zu begegnen.
S. auch: Vorentr�ckungslehre; Nachentr�ckungslehre; Teilentr�ckung; Pre-Wrath-Rapture; Amillennialismus; Eschatologie; Endzeit-Berechnungen; Zeichen der Zeit.
Lit.: L. Gassmann, Was kommen wird. Eschatologie im 3. Jahrtausend, 2002, 141-163.
Lothar Gassmann
Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):
1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch
Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de