Gr�n, Anselm

Klick auf den Kompass öffnet den IndexAnselm Gr�n ist ein Benediktinerm�nch und leitet die Verwaltung der Benediktinerabtei M�nsterschwarzach. Gem�� den Angaben zum Autor hei�t es:

"Geistlicher Berater und Kursleiter � f�r Meditation, tiefenpsychologische Auslegung von Tr�umen, Fasten und Kontemplation" ("Herzensruhe"- "Im Einklang mit sich selber sein", Herder-Verlag, 1998).

Seine B�cher finden immer mehr Resonanz, stehen auf der Bestsellerliste der evangelikalen Buchl�den, z.B. "50 Engel f�r das Jahr", und vor allem die Zeitschrift "Aufatmen" wirbt f�r Anselm Gr�n und empfiehlt w�rmstens seine Betrachtungen. Sein mildes Konterfei l�chelt vom Titelbild der Ausgabe Nr. 2/2000.

Unter der �berschrift "Meditation" hei�t es in "Herzensruhe":

"Die christliche Meditation, die seit dem 3. Jahrhundert ge�bt wird, verbindet den Atemrhythmus mit einem Wort. Schon das Achten auf den Atem lenkt das Bewusstsein nach innen und erzeugt Ruhe" (S. 112).

Zun�chst erf�hrt man hier, wie diese Meditation der urchristlichen Gemeinde unbekannt war. Man wird deswegen auch schwerlich Hinweise im Neuen Testament finden. Doch das Heidentum begann in die Kirche einzubrechen. Das �berrascht auch nicht besonders, denn die obige Erkl�rung der christlichen Meditation und die damit verbundene besondere Atemweise erinnert eher an >Yoga oder �stliche Meditation, denn an biblisches Christentum. So hat beispielsweise der Bhagwan Rajneesh, unr�hmlich als der Sex-Guru von Poona bekannt geworden, diese besondere Atem-Meditation empfohlen, wobei er spezielle Energie mit gewissen gesprochenen Worten verband.

Wem dieser Vergleich zu scharf erscheint, m�ge die weiteren Ausf�hrungen von Anselm Gr�n zur Kenntnis nehmen.

"Im Ausatmen k�nnen wir uns vorstellen, wie wir all die Gedanken, die immer wieder hochkommen, einfach abflie�en lassen. Wenn wir das eine Zeitlang tun, werden wir innerlich ruhig. Dann k�nnen wir den Atem mit einem Wort verbinden. Wir k�nnen z.B. beim Einatmen still sagen: �Siehe` und beim Ausatmen �Ich bin bei dir`...Ich muss mich bei dieser Meditation gar nicht konzentrieren" ("Herzensruhe", ebd.).

Hier aber befinden wir uns voll im Trend der Mystik des New Age. Gott ist nicht mehr eine Person, der der Mensch im Anruf gegen�bersteht, sondern eine Art >kosmische Energie, die durch Atemtechniken, die noch dazu die ideale Voraussetzung f�r Passivit�t sind, einen angeblich immer mehr erf�llen kann.

Dass Anselm Gr�n diese Methoden von den Mystikern gelernt hat, verschweigt er keineswegs, sondern er beruft sich eher stolz auf sie:

"Die Mystiker sind davon �berzeugt, dass in uns ein Raum des Schweigens ist, in dem Gott wohnt. Dorthin haben die Gedanken und Gef�hle, die Pl�ne und �berlegungen, die Leidenschaften und die Verletzungen keinen Zutritt...Die Meditation will mich wieder in Ber�hrung bringen  mit diesem inneren Ort...Aber tief unten ist es still. Da kann ich mich fallen lassen...Meditation ist das Eintauchen in die innere Ruhe, die auf dem Grund unseres Herzens in uns verborgen ist" (ebd., S. 113).

Dies aber ist die schon bald klassische Definition der Gnosis, die von dem g�ttlichen Funken ausgeht, der angeblich in allen Menschen wohnen soll, besonders im Gl�ubigen und da vor allem im christlichen Mystiker.

"Die Benediktiner m�chten diesen Funken Gottes im Menschen zur Flamme anblasen" (Aufatmen, 2/2000, S. 43).

Von daher ist es verst�ndlich, dass in den ersten Jahrhunderten nichts von alledem in der Christenheit zu finden ist, was f�r jeden Gl�ubigen, f�r den die Bibel Autorit�t ist, schon genug aussagen sollte (2. Joh. 8-9, Judas 3). Wir glauben nicht, im Gegensatz zum Katholizismus, der Mystik und den schwarmgeistigen Bewegungen, wir glauben nicht an Neuoffenbarungen. Mit sola scriptura (allein die Bibel) steht oder f�llt die wahre Kirche.

W�hrend Paulus noch deutlich feststellte,

"denn ich wei�, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes" (R�m. 7,18),

erkl�rt die dann sp�ter einbrechende Gnosis, die heute in Form von New Age eine Renaissance auf allen Gebieten erlebt, dass in uns solch ein innerer Ruheort vorhanden ist. Dort findet Anselm Gr�n seinen Gott.

"Gott im Innersten seines Herzens suchen, das ist der Weg auch zum wahren Selbst, zum eigenen unverf�lschten Wesen." (Aufatmen 2/2000 S. 42).

"Nur wenn wir uns der eigenen Seele zuwenden, wird Begegnung mit Gott m�glich." (ebd. S. 43).

Dieses oben erw�hnte "Sich Fallen-lassen" ("Herzensruhe", S. 113) ist ganz typisch f�r die Annahme eines passiven Zustandes, wodurch der Mensch, auch der Gl�ubige, schneller zu einem Medium umfunktioniert werden kann, als er es meint. Jedenfalls ist diese Haltung das Gegenteil der von Jesus so oft betonten Ermahnung zur Wachsamkeit, die er besonders im Zusammenhang mit der endzeitlichen Verf�hrung ausspricht (Mk. 13,33-37).

�ber all diese Vorschl�ge kann man das Wort Jesu aus Luk. 11,35 setzen:

"Siehe zu, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist".

Dies wird noch deutlicher durch Gr�ns weitere Vorschl�ge.

"Aber wenn wir sie nicht beachten (gemeint sind die Gedanken, Anm.), wenn wir durch Wort und Atem immer tiefer in den eigenen Seelengrund gelangen, dann kann es sein, dass es f�r einen Augenblick ganz still ist in uns. Ich sp�re dann: jetzt ber�hre ich das Eigentliche. Jetzt bin ich ganz da, ganz bei mir, ganz bei Gott" ("Herzensruhe" S. 114).

Das ist die klassische Unio mystica, wie sie die Gnostiker und Schw�rmer seit Jahrtausenden praktizieren. Sie finden Gott angeblich in ihrem Seelengrund, jenem g�ttlichen Funken der Seele.

Um zur Ruhe zu kommen, wird folgendes vorgeschlagen:

"Ein anderer Weg, �ber den Leib zur Ruhe zu kommen, sind autogenes Training oder Eutonie. ...Das autogene Training arbeitet mit der Methode der Autosuggestion. Ich stelle mir z.B. vor, wie mein rechter Arm warm und schwer wird. ...Indem ich den Atem an die verspannten Stellen meines Leibes hinflie�en lasse, k�nnen sich die Spannungen aufl�sen...Manchmal bin ich beim Sitzen zu unruhig. Auch wenn ich mich auf den Atem konzentriere und mich vom Atem in die Ruhe f�hren lassen m�chte, weicht die Unruhe nicht. Dann hilft es mir, die H�nde zu einer Schale zu formen und mit meinem ganzen Bewusstsein in den H�nden zu sein. Die Geb�rde bringt mich zur Ruhe...In den H�nden ist ja mein ganzes Sein versammelt" (ebd., S. 116-117).

Dies aber sind Techniken, wie sie die Zauberpriester und Schamanen praktizieren. Es sind die typischen Methoden, um einen ver�nderten Bewusstseinszustand hervorzurufen.

Die Auswirkungen dieser Unio mystica werden auch von Anselm Gr�n folgerichtig ungeschminkt positiv beschrieben.

"Da ist die Geb�rde des Kreuzes. ..., dann stelle ich mich manchmal in dieser Kreuzgeb�rde in die Sonne und die frische Luft des Morgens. Dann f�hle ich mich ganz eins, eins mit der Sch�pfung, eins mit Gott, eins mit mir selbst, eins mit allen Menschen. Da ist dann keine Spaltung mehr in mir zwischen Himmel und Erde, zwischen Geist und Trieb, zwischen Spiritualit�t und Sexualit�t. Da ist alles eins...Aber indem ich die Arme weit ausbreite, erahne ich manchmal, wie das ist, mit allem eins zu sein, all-eins zu sein" (S.117).

Es wird leider Psyche (Seele) mit Pneuma (Geist), Agape mit Eros, Licht mit Finsternis, Christus mit Belial verwechselt. Man findet diese Ph�nomene nur zu oft bei den Mystikern und Schw�rmern.

Anselm Gr�n ist ein typischer Repr�sentant katholischer Fr�mmigkeit. So schreibt er z.B.

"Mir hilft das Rosenkranzbeten, um einzuschlafen" ("Herzensruhe" S. 128).

Auch in der Aussage

"Es ist gut und sinnvoll, f�r die Verstorbenen zu beten" ("Wenn ich in Gott hineinhorche", Matthias-Gr�newald-Verlag � Mainz, 2. Auflage 1997, S. 42)

wird offensichtlich, wessen Geistes Kind er ist.

"Aber soll einer nach 20 Jahren noch daf�r beten, dass sein verstorbener Vater aus dem Fegefeuer in dem Himmel kommen m�ge? ...Das Beten f�r die Verstorbenen hat nat�rlich immer Sinn. Aber es verwandelt sich. Zu Beginn ist das Beten F�rbitte, dass der Verstorbene sich f�r Gott entscheidet, dass er den Sprung in die Liebe Gottes schafft. Dann wird es zu einem Gebet, das mich mit dem Verstorbenen verbindet, zu einem Gebet, in dem mich der Verstorbene auf das eigentliche Ziel meines Lebens hinweist. Und es wird dann oft auch zu einem Gespr�ch mit dem Verstorbenen und zu einer Bitte an ihn, mich zu begleiten und mich zu bewahren vor einem Verfehlen meines Lebens" (ebd.).

Hier ist unzweideutig erkennbar, wie der Mystiker bewusst oder unbewusst, hier ganz bewusst, statt unter dem Heiligen Geist unter der Leitung eines Totengeistes steht. Es best�tigt auch, dass die Kehrseite der Gnosis der Spiritismus ist und Rom wegen seines starken Bezugs zu den Verstorbenen, von Heiligen bis Fegefeuer, hier besonders anf�llig ist (Heiligenverehrung).

Dieser offenkundige Bezug zu den Verstorbenen erkl�rt auch, warum dieser Benediktinerm�nch so sehr von C. G. Jung angetan ist. So erf�hrt man durch Arne V�lkel, dem Autor des Artikels �ber Anselm Gr�n in Aufatmen:

"Die Bibelauslegung Gr�ns ist teilweise stark durch die Einfl�sse von C. G. Jung gepr�gt. Dieser betrachtete �archetypische Bilder` als Hinweis auf das menschliche Ph�nomen der Gottessuche... F�r Gr�n bietet die Sprache und das Gedankensystem C. G. Jungs beste Voraussetzungen, das im christlichen Glauben auf dem Weg der Selbsterforschung Angestrebte in eine f�r Nichtchristen verst�ndliche Sprache zu kleiden" (Aufatmen 2/2000 S. 43).

Es w�rde auch folgendes erkl�ren:

"...wenngleich auch Gr�n (�hnlich wie Drewermann) faszinierend griechische Mythen auslegt � ganz so, wie er das auch mit biblischen Texten tun kann" (ebd., S. 44).

Kaum jemand hat so intensiv von spiritistischen Quellen getrunken, wie dieser Vater der Tiefenpsychologie C. G. Jung. Seine ganze Karriere begann mit spiritistischen Sitzungen. C. G. Jungs Kontrollgeist Philemon war f�r ihn so real wie ein Wesen aus Fleisch und Blut.

"Er berichtet in seiner Selbstbiographie, wie ihn eigene Traumerfahrungen und vision�re Erlebnisse auf das Studium vision�rer und spiritistischer Literatur f�hrten, und wie er gerade in der spiritistischen Literatur �berraschende Hinweise auf eine systematische Erfassung und Kontrolle seelischer Vorg�nge fand, die ihm f�r die Entwicklung seiner eigenen Psychologie und seine Archetypenlehre wegweisend waren" (Ernst Benz, "Die Vision", Ernst Klett Verlag, S. 11).

C.G. Jung ist eigentlich das Paradigma f�r Erleuchtung aus der Finsternis.

Anselm Gr�n stellt auch Betrachtungen �ber Joh 17 an, ein in unseren Tagen sehr oft zitierter Bibelabschnitt, wo von dem Einssein die Rede ist:

"Der Ort, an dem wir bei Christus sind, ist das Gebet. F�r die Ostkirche ist es das Jesusgebet, das sie mehr und mehr mit dem Geist Jesu Christi erf�llt. Die  Ostkirche versteht das Jesusgebet als Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. F�r sie ist es der Weg, den Geist an Christus zu binden und durch Christus eins zu werden mit dem Vater. F�r mich pers�nlich ist das Jesusgebet seit etwa drei�ig Jahren mein Meditationsweg geworden. Ich �be es nicht nur bei der morgendlichen Meditation, sondern es begleitet mich auch tags�ber immer wieder, wenn ich durch die G�nge gehe, wenn ich irgendwo warte, wenn eine kleine Pause entsteht. Das Jesusgebet bringt mich immer und �berall mit mir selbst in Ber�hrung und l�sst mich die Einheit mit Gott mitten in der Unruhe des Alltags erfahren. Wenn ich mit dem Einatmen die Worte spreche �Herr Jesus Christus` und beim Ausatmen �Sohn Gottes, erbarme dich meiner` dann bin ich dort, wo Christus ist. Dann erlebe ich, dass Christus hinabsteigt in alle Abgr�nde meiner Seele..." ("Herzensruhe", S. 145-146).

Gottes Geist wohnt also angeblich nicht durch den Glauben in uns (Eph. 3,17), sondern durch Atemtechniken. Nun, dies gilt auch f�r Yogis, Gurus, Medizinm�nner und Schamanen. Es hat dies mit der Bibel sehr wenig, mit dem Zeitgeist aber sehr viel zu tun. Nicht im Wort, wie die Reformatoren noch darlegten, sondern im eigenen Seelengrund begegnet man angeblich Christus. �brigens findet man �hnliche bis identische Meditationstechniken bei Roger Sch�tz, dem Gr�nder von Taiz�. Im Prinzip k�nnen sich �ber diesen Geist alle Religionen und Kulte finden und vereinen. Die Mystik kann sich mit jeder Irrlehre oder falschen Religion verbinden. Dies zeigt auch Gr�ns Aussage: "Jeder Weg, der mich tiefer in die Gemeinschaft mit Gott f�hrt, f�hrt mich auch in die Ruhe. F�r den einen ist es die Meditation, f�r einen anderen die Eucharistie, f�r einen dritten ein Spaziergang" ("Herzensruhe", S. 147). Auch dies entspricht dem heutigen >Pluralismus.

Der Absolutheitsanspruch Jesu Christi wird offen oder verdeckt preisgegeben.

"Gott ist f�r alle Religionen immer auch der erl�sende Gott. Glaube ist in allen Religionen wesentlich der Glaube an das rettende und befreiende Wirken Gottes. Jesus Christus ist Gipfel und Vollendung der Erl�sung. Aber wir d�rfen nicht so tun, als ob Erl�sung erst mit Jesus Christus anfange. Gott ist schon immer der erl�sende Gott. Und er wirkt Erl�sung auch in anderen Religionen" ("Mit Herz und allen Sinnen", Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1999, S. 200).

Diese "universelle Liebe" umfasst schlie�lich auch alles und jedes, einfach weil man seine eigenen Abgr�nde nicht kennt und sie luziferisch erleuchtet mit Licht verwechselt. So kommt dieser Benediktinerm�nch zu dem Ergebnis:

"Aber zugleich d�rfen wir hoffen, dass die H�lle leer ist. Wir d�rfen der Liebe Gottes vertrauen, dass sie st�rker ist als der Hass und die Selbstverschlie�ung der Menschen" ("Wenn ich in Gott hineinhorche", S. 40-41).

Anstatt zur Wachsamkeit aufzurufen, wird immer mehr die seelische Liebe und (mystische) Einheit betont, die uns letztlich bef�higen soll, solche Irrlehren und falsche Geister zu tolerieren. Anselm Gr�n ist nach allem Gesagten aus biblischer Sicht ein Verf�hrer im frommen Gewand.

Alexander Seibel


Index

Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):

1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch

Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de