Spiritismus (lat. spiritus, �Geist�) ist die Lehre von einer unsichtbaren Geisterwelt, mit welcher der Mensch � in der Regel durch Medien � in Kontakt treten kann. Die h�ufigste Form des S. ist die Totenbeschw�rung (Nekromantie). Spiritismus wird gelegentlich mit �Spiritualismus� (phil. Lehre, da� alles Wirkliche Geist bzw. Erscheinungsform des Geistes ist � im Gegensatz zum Materialismus) in Verbindung gebracht. W�hrend jedoch im Englischen spiritualism tats�chlich Spiritismus bedeutet, ist eine Identifikation der beiden Begriffe im Deutschen sachlich nicht m�glich.
Spiritismus begegnet in zahlreichen Formen seit der Fr�hzeit der Menschheitsgeschichte in allen Kulturen, z.B. im >Animismus, Schamanismus und antiken >Orakelwesen oder � als Gegenbewegung zum aufkl�rerischen Rationalismus � bei europ. Denkern wie
Die Geburtsstunde des modernen Spiritismus als einer Massenbewegung in der westl. Welt liegt am 1.4. 1848, als die T�chter des Farmers John Fox aus Hydesville/New York seltsame Klopfger�usche h�rten und man nach Entschl�sselung der Signale (�Klopf-ABC�) Leichenreste des sich angeblich kundgebenden Verstorbenen unter dem Keller fand. Tatkr�ftig gef�rdert und systematisch ausgebaut wurde der Spiritismus in dieser Zeit v. a. durch
Auch die 1875 gegr�ndete Theosophische Gesellschaft mit ihrem Medium H. P. Blavatsky (1831-91) trug viel zur F�rderung des Spiritismus bei. 1882 entstand in England die �Society for Psychical Research� mit dem Ziel der Erforschung paranormaler Ph�nomene.
Die gr��te Verbreitung besitzt der Spiritismus heute in Brasilien (>Macumba-, >Umbanda- und Kardec-Spiritismus; zusammen ca. 50 Mio. Anh�nger), Vietnam (Caodai-Spiritismus; �ber 2. Mio.) sowie in Afrika und Ostasien in Gestalt verschiedener Ahnenkulte. In der westl. Welt weisen Kalifornien und England die meisten Spiritismus-Zirkel auf, doch werden im Gefolge einer �neuen Religiosit�t� (New Age) anti-rationalistischer und auch antichristl. Pr�gung viele L�nder z. Zt. von einer spiritistischen Welle �berschwemmt (Spiritismus als Ersatzreligion).
Die h�ufigsten Techniken des Spiritismus im Westen sind:
Wachsenden Zulauf finden
Spiritistische Ph�nomene k�nnen sein:
Im Anschlu� an H. Bender lassen sich vier Arten des Spiritismus unterscheiden:
Die Weltanschauung des Spiritismus l��t sich kennzeichnen als �naturalistischer >Monismus und Evolutionismus � (Ruppert):
Die gesamte Wirklichkeit gilt als Energiefeld. In diesem stellen Gott, Geistwesen, Mensch, Tier, Pflanze und Mineral unterschiedliche Verdichtungsstufen oder Schwingungsebenen derselben �>Lebensenergie� (auch: Prana, Chi, Ka, Mana, Welt�ther, Odkraft usw.) dar. Alle Wesen befinden sich in einer st�ndigen H�herentwicklung (zum Teil wird die Reinkarnation vertreten). Gott- und Geistwesen (z.B. die Geister Verstorbener) haben einen feinstofflicheren Leib (auch: Astralleib, Odk�rper, Perispirit, Fluidalk�rper u.a.) als die jetzt lebenden Menschen und befinden sich auf einer h�heren Schwingungsebene. Deshalb k�nnen sie nicht mit den normalen physischen Sinnen, sondern nur von sensitiven Medien wahrgenommen werden. Tritt ein Medium in Kontakt mit einem Geist, dann mu� sich in einer �Art Todeskampf� (Greber) sein Geist vom K�rper l�sen, um dem fremden Geist Raum zu machen (>Besessenheit).
K. Koch hat die spiritistische Welt als �unechte Transzendenz� bezeichnet, da der wirkliche g�ttliche Bereich so nicht erfa�t werden kann. Trotz seines Redens vom �bersinnlichen bleibt der Spiritismus in der Immanenz der geschaffenen Welt gefangen. In der Bewertung der spiritistischen Ph�nomene stehen sich � von den h�ufigen F�llen des Betrugs abgesehen � zwei Theorien gegen�ber:
W�hrend die Anh�nger einer rationalistischen Weltanschauung die spiritistischen Ph�nomene durchweg als Betrug ansehen, neigen die Vertreter (para-)psy-chologischer Schulen am ehesten der animistischen Deutung zu. Allerdings bleibt nach Aussch�pfung aller immanenten Interpretationsversuche immer noch ein �ungekl�rter Rest� (Koch), der die M�glichkeit einer transzendenten Einwirkung offenl��t.
Hier ist die Antwort der Theologie gefordert.
Handelt es sich bei den im Spiritismus befragten Geistern um engelhafte Geistwesen, Geister Verstorbener oder gar D�monen? Die christl. Theologie ist sich in der Beantwortung dieser Frage nicht einig, doch d�rfte vom bibl. Befund her die letztgenannte M�glichkeit am ehesten zutreffen. Der Spiritismus steht n�mlich im Widerspruch zum ersten Gebot des Dekalogs (2Mo 20,2f) und ist Gott ein �Gr�uel� (3Mo 19,31; 5Mo 18,9ff u.a.). Wer sich darauf einl��t, verf�llt wie Saul dem Gericht (1Sam 28,7ff). Wer etwas �ber die g�ttlichen Geheimnisse erfahren m�chte, soll nicht Verstorbene, sondern die Bibel (�Mose und die Propheten�) befragen (Lk 16,19ff). Spiritistische Bet�tigung kann eine Vielzahl von seelischen, geistigen und geistl. Sch�digungen mit sich bringen: Angstzust�nde, Halluzinationen, Stimmenh�ren, Verfolgungswahn, Selbstmordgedanken, starke Suchtbindung, gro�e Triebhaftigkeit und sexuelle Perversion, L�stergedanken, Resistenz gegen Gott und sein Wort. Wirkliche Befreiung von durch Spiritismus entstandenen Bindungen ist nur m�glich durch einen Herrschaftswechsel aus dem Reich Satans in das Reich Gottes, durch die �bereignung des Lebens an den Erl�ser Jesus Christus (Lk 11,20; Eph 6,10ff).
S. auch: Okkultismus.
Lit.: H. Bender: �Parapsychologie�, in: A. Resch: Fortleben nach dem Tode, 1980; J. Greber: Der Verkehr mit der Geisterwelt, 1937; K. E. Koch: Seelsorge und Okkultismus, div. Aufl.; H.-J. Ruppert: Okkultismus � Geisterwelt oder neuer Weltgeist?, 1990; L. Gassmann: Esoterik als Lebenshilfe?, 2000.
Lothar Gassmann
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