Rogers, Carl

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Rogers, Carl ist der Nestor der Encounter-Bewegung und der Begr�nder der auch weithin in die Seelsorge eingedrungenen nicht-direktiven, klientenzentrierten Gespr�chstherapie. Die R.'sche Gespr�chstherapie "zielt direkt auf die gr��ere Unabh�ngigkeit und Integration des Individuums [...]. Das Individuum steht im Mittelpunkt der Betrachtung und nicht das Problem. Das Ziel ist es nicht, ein bestimmtes Problem zu l�sen, sondern dem Individuum zu helfen, sich zu entwickeln, so dass es mit dem gegenw�rtigen Problem und mit sp�teren Problemen auf besser integrierte Weise fertig wird" ( C. Rogers, Die nicht-direktive Beratung, 1972, 36.) Selbst- und Fremdwahrnehmung sollen erh�ht werden. Die Therapie st�tzt sich auf den "individuellen Drang zum Wachsen", betont die emotionalen Elemente und legt Nachdruck auf die Hier- und Jetzt-Situation.

R. unterscheidet vier Hauptphasen des Beratungsvorgangs:

1. Aufbau einer partnerschaftlichen Vertrauensbeziehung zwischen Seelsorger und Klient;

2. im Rahmen bedingungslos annehmender, toleranter Beziehung wird Katharsis (Reinigung, L�uterung bis hin zur "S�ndenvergebung durch Akzeptieren") m�glich;

3. Keimen der "Einsicht"; dadurch allm�hlicher Bewusstseinswandel (Aufbau positiver Gef�hle);

4. abschlie�ende Phase zunehmender Autonomie und M�ndigkeit des Klienten.

Gespr�chsregeln nach R. sind:

1. Geduldig und freundlich, aber bez�glich eventueller Inkonsequenz kritisch zuh�ren!

2. Keine autoritative Haltung einnehmen!

3. Keine ethischen Ratschl�ge oder moralischen Ermahnungen erteilen!

4. Nicht in intellektuelle Auseinandersetzungen mit dem Klienten eintreten!

5. Selber reden oder fragen nur,

Beurteilung:

Bei R. zeigt sich besonders deutlich die Verkettung, Integration und rezeptive Weiterentwicklung bereits vorhandener Ideologien:

1. Der optimistische Humanismus ist sein Ausgangspunkt. R. meint, "dass die menschliche Spezies aus im Grunde [...] vertrauensw�rdigen Individuen besteht", d. h. von Natur aus gut und autonom ist (vgl. den Buchtitel "Die Kraft des Guten", 1977, 279). Ferner betrachtet er "die Selbstverwirklichungstendenz als eine grundlegende Antriebskraft des menschlichen Organismus" (ebd., 265). R.` gesamte Gespr�chstherapie steht und f�llt mit diesen, wie er selber sagt, hypothetischen Voraussetzungen (Die nicht-direktive Beratung, 29).

2. Weiterhin nimmt R. in ineinander verwobener Form ideologische und religi�se Elemente des Evolutionismus, Behaviorismus , Immanentismus, Neomarxismus, utopischen >Marxismus und Okkultismus auf. Er sieht eine "mit einer erstaunlichen Effizienz" funktionierende, evolution�re Selbstverwirklichungstendenz in der Natur". Beim Menschen jedoch sei eine "Entfremdung", eine "Kluft [...] zwischen bewussten Zielen und organismischen Richtungen" eingetreten, weil "der einzelne von der Gesellschaft durch Belohnung und Verst�rkung zu Verhaltensweisen konditioniert wird, die de facto eine Perversion der nat�rlichen Richtung der Selbstverwirklichungstendenz darstellen." Die L�sung sei zu erhoffen im "Heraufkommen des neuen Menschen", auf dem Wege einer sozialen Evolution bzw. "stillen Revolution". "Diese neuen Menschen vertrauen ihrer eigenen Erfahrung und misstrauen jeder �u�eren Autorit�t. Weder Priester noch Richter noch Gelehrte k�nnen diese Menschen von irgend etwas �berzeugen, das nicht durch ihre eigene Erfahrung best�tigt wird." Sie legen Wert auf Authentizit�t und Kommunikation, zerbrechen Schambarrieren, desertieren aus allen Institutionen, auch "aus der Institution der Ehe" und setzen an ihre Stelle die "kleinen, informellen, nichthierarchischen Gruppen". Sie hegen "Misstrauen gegen eine kognitiv orientierte Wissenschaft" und glauben statt dessen "an das Okkulte, an die Astrologie, an das I-Ging und an die Tarockkarten". Sie haben Interesse an "Meditation [...] �bersinnlichen Ph�nomenen ... esoterischen und transzendentalen religi�sen Einstellungen". R. selber stellt fest: "Die Eigenschaften und das Verhalten dieser Menschen ist unvereinbar mit der Orthodoxie und den Dogmen der gro�en westlichen Religionen � dem Katholizismus, dem Protestantismus und dem Judentum" (Die Kraft des Guten, 272ff.).

Es sei betont, dass Elemente dieser ideologischen Zukunftsvorstellungen schon heute in gruppendynamische Encounter-Gruppen eingebracht werden mit der Folge bewusster oder unbewusster Zusteuerung auf diesen Menschentyp. H�rmann nennt Gruppen mit Anleihen aus ">Existenzphilosophie, sog. >Humanistischer Psychologie, fern�stlicher Kultur, nonverbalen und dramatischen Richtungen, Entspannungstechniken u. a.", daneben ritualisierte Aggressionslaboratorien, Konfrontationsgruppen, Marathon- und Nackt-Encounter. Mit dem biblisch-christlichen Verst�ndnis des Menschen, seiner ihm von Gott verliehenen W�rde und auf Gott ausgerichteten Verantwortung ist die R.sche Ideologie unvereinbar.

Zur Kritik s. auch: Gruppendynamik; Seelsorge; Humanismus; Humanistische Psychologie; Neomarxismus; Okkultismus.

Lit.: C. Rogers, Encounter-Gruppen, 1974; Die Kraft des Guten, 1977; Die nicht-direktive Beratung, 1972. � Kritisch: L. Gassmann, F�hlen statt zu denken, 1991; Was ist Gruppendynamik, 1998.

Lothar Gassmann

Gespr�chstherapie, nichtdirektive / klientenzentrierte: Rogers_Carl


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Etliche Texte sind auch in gedruckter Form erschienen in verschiedenen Handb�chern (je 144-200 Seiten, je 9,80 Euro):

1. Kleines Sekten-Handbuch
2. Kleines Kirchen-Handbuch
3. Kleines �kumene-Handbuch
4. Kleines Endzeit-Handbuch
5. Kleines Katholizismus-Handbuch
6. Kleines Anthroposophie-Handbuch
7. Kleines Zeugen Jehovas-Handbuch
8. Kleines Ideologien-Handbuch
9. Kleines Esoterik-Handbuch
10. Kleines Theologie-Handbuch

Weitere Handb�cher (�ber Theologie, Esoterik, u.a.) sind geplant. Informationen bei www.l-gassmann.de